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Erfolgreich Sanieren im Land Salzburg mit Bewohnereinbindung
Erfolgreich Sanieren mit Bewohnereinbindung
Blachfellner: Die richtige Sanierung ist die von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptierte / Kosten- und Zeitersparnis
(LK) Die Sanierung von Altbauten ist ein wichtiges Investitionsfeld der Wohnungswirtschaft und im Lebenszyklus eines Wohngebäudes mehrmals unumgänglich. „Wenn Wohnhausanlagen saniert beziehungsweise modernisiert werden, sind die Hausbewohner unmittelbar davon betroffen. Soll die Sanierung erfolgreich sein, so müssen sich daher Bauträger und Hausverwaltungen auch mit den Bewohner/innen auseinandersetzen“, sagte Wohnbaureferent Landesrat Walter Blachfellner heute, Mittwoch, 17. November, bei der Präsentation eines Sanierungsleitfadens für Altbauten, den das Land gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie in der Programmlinie „Haus der Zukunft“ des Forschungs- und Entwicklungsprogramms „Nachhaltig Wirtschaften“ erarbeitet hat. „Die richtige Sanierung“, so der Wohnbaureferent, „soll ein Wohngebäude wieder auf zeitgemäßen Standard für die gegenwärtigen und zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern bringen. Sie soll auch von den Bewohner/innen akzeptiert sein. Sie kennen die Wohnanlage am besten. Sie zu informieren und aktiv einzubeziehen, ist der Schlüssel für eine nachhaltige und gelungene Sanierung“.
Sanierung bei Bewohnern oft umstritten
Es ist bekannt, dass bauliche Veränderungen in Wohnbauten oder einer Wohnhausanlage, auch wenn sie objektiv betrachtet eine Verbesserung darstellen, nicht immer auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Angst vor höheren Wohnkosten, vor Lärm- und Schmutzbelastung während des Baus, vor dem Fehlen einer kompetenten Kontaktperson, einer schlampigen Bauführung, einem Baustillstand und der Beschneidung von Miet- bzw. Nutzungsrechten sind häufig anzutreffen und können Sanierungsmaßnahmen erheblich behindern. Eine gute Sanierung wird bei einer optimalen Vorbereitung daher die Bewohner/innen rechtzeitig einbeziehen und auf diese häufig anzutreffenden Ängste eingehen, sagte der Landesrat.
Blachfellner wies auch auf die besondere Wichtigkeit der energetischen Sanierung und Verbesserung von Wohngebäuden hin. Neben einer Einsparung von Energiekosten und Steigerung des Wohnkomforts für die Bewohner werde damit auch ein wichtiger Beitrag zur Erreichung von Umweltzielen erreicht.
Salzburg ist bei der Information und Einbeziehung der Bewohner den anderen Bundesländern bereits voraus, denn die Bürgerbeteiligung wird aktuell bei der derzeit laufenden Sanierung der „Neuen Heimatsiedlung in Schwarzach“ umgesetzt. Erfahrungen aus der Generalsanierung der Wohnsiedlung „Neue Heimat“ in Bischofshofen hätten deutlich gemacht, dass bei den Mietern ein großes Bedürfnis bestehe, an der Sanierung ihrer Wohnsiedlung mitzuwirken.
Altbausanierung ist Arbeit am lebenden Organismus
Die inhaltliche Projektleitung des Sanierungsleitfadens lag beim Österreichischen Ökologie-Institut. „Altbausanierung ist Arbeit am lebenden Organismus“, erläutert Georg Tappeiner vom Österreichischen Ökologie-Institut. „Wir möchten mit diesem Leitfaden bei Bauträgern und Hausverwaltungen das Bewusstsein dafür stärken, dass die Einbindung von Bewohner/innen eines Sanierungsvorhabens professionell gemanagt werden muss. Damit werden die besten Grundlagen dafür geschaffen, die Sanierung hinsichtlich Bautechnik, Kosten, Zeit und Kundenzufriedenheit zu optimieren.“
„Ich denke, es ist in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht sinnvoll, wenn mit den Bewohnern saniert wird, anstatt auf den Tisch zu hauen und zu sagen, das muss so und so aussehen“, sagte Blachfellner.
Wohnreserven werden aktiviert
Die Wohnbauförderung unterstützt umfassende Sanierungsmaßnahmen jährlich mit Förderungsdarlehen in der Höhe von insgesamt rund fünf Millionen Euro, cirka 200 Wohnungen können damit pro Jahr erneuert und wieder bewohnbar gemacht werden.
Anhand mehrerer realisierter Wohnbausanierungen in Salzburg, Linz, Bischofshofen und Berlin wurden die Grundvoraussetzungen für nachhaltige Sanierungsplanung und erfolgreiche Beteiligungsmodelle analysiert. Im Leitfaden werden diese Erfahrungen praxistauglich aufbereitet. Aufgezeigt wird, wie Bewohnereinbindung von der Projektentwicklung und Planung bis zur baulichen Umsetzungsphase effizient und erfolgreich durchgeführt werden kann. Es werden Grundlagen und praktische Tools für die Beteiligung sowie Checklisten bereitgestellt. Erfahrungsberichte von Experten aus der Bauwirtschaft ergänzen das Informationsangebot. "Mit dem Leitfaden soll eine nachhaltige Bewirtschaftung des Gebäudebestandes möglich werden. Nachhaltig bedeutet nämlich nicht nur, dass diese wirtschaftlich und ökologisch effizient ist, sondern sie muss auch sozial verträglich sein." so der zuständige Abteilungsleiter Dipl.-Ing. Michael Paula aus dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie.
Der Leitfaden richtet sich vorrangig an Bauträger und Hausverwaltungen, aber auch Berater und Prozessbegleiter. Der inhaltliche Fokus liegt bei der Bewohnereinbindung im Bereich des großvolumigen Mietwohnungsbaus. Eine Vielzahl der Themen im Leitfaden ist freilich auch für den Eigentums-Wohnsektor zutreffend. Für Bewohnerservicestellen, Bewohnervertreter, Bauausführende, aber auch für Stadtplanungsämter und Förderstellen bietet der Leitfaden einen aufschlussreichen Einblick in die Projektentwicklung und Umsetzung von Sanierungsvorhaben.
Was liefert der Leitfaden zu diesen Fragen?
Der Leitfaden ist entsprechend der Phasen eines Sanierungsprojektes gegliedert, ergänzt um einen abschließenden Serviceteil.
Phase 1: Projektentwicklung: Der erste Abschnitt befasst sich mit jenen Grundlagen und Entscheidungen, die von den Sanierungsverantwortlichen vor dem Beginn der Bewohnereinbindung erarbeitet werden müssen. In dieser Phase werden erfolgsentscheidende Rahmenbedingungen für das gesamte Sanierungsvorhaben geschaffen. Entsprechend breiter Raum wird der Projektentwicklung im Leitfaden gewidmet.
Phase 2: Bewohnereinbindung und Planungsabschluss: Im Mittelpunkt des zweiten Abschnitts steht die eigentliche Phase der Bewohnereinbindung. Dargestellt werden Verfahrenselemente und Methoden, die zu einem optimierten Sanierungskonzept führen sollen.
Phase 3: Projektumsetzung: Der dritte Abschnitt betrachtet das Umsetzungsmanagement, sowie die Bewohnerbetreuung bei der baulichen Realisierung des Sanierungsprojektes.
Serviceteil: Ein umfassender Serviceteil enthält Datenblätter zu den Fallbeispielen, Kontaktadressen, Literatur und Links.
Was bringt Bewohnereinbindung?
Die Vorteile der Bewohnereinbindung sind laut Blachfellner vielfältig:
Kosten- und Zeitersparnis durch Vermeidung möglicher Konflikte;
Prestigegewinn des Unternehmens auf dem Wohnungsmarkt;
Stärkung der Hausgemeinschaft und Verbesserung der Dialogkultur;
Kenntnis des individuellen Nutzens von Sanierungsmaßnahmen und Akzeptanz der damit verbundenen erhöhten Mietbelastungen.
In den nächsten zwei Jahren wird die GSWB Großsanierungen von Bewohnersiedlungen mit Hilfe der Bewohnerbeteiligung in Radstadt, Zell am See und Saalfelden beginnen, kündigte Blachfellner an.
Erfolgreich Sanieren mit Bewohnereinbindung – Leitfaden für Bauträger und Hausverwaltungen: Medieninhaber und Herausgeber, Österreichisches Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, 1070 Wien, Seidengasse 13, www.ecology.at. Für den Inhalt verantwortlich: Dipl.-Ing. Georg Tappeiner (Projektleitung), tappeiner@ecology.at.
Der Leitfaden wurde in der Programmlinie „Haus der Zukunft“ des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie sowie der Wohnbauforschung Salzburg finanziert. Weitere Informationen zur Programmlinie „Haus der Zukunft“ und dem Gesamtprogramm »Nachhaltig Wirtschaften« sind auf www.hausderzukunft.at erhältlich.
Die Erstellung des Leitfadens erfolgte mit Unterstützung durch die BUWOG, sowie in Abstimmung mit dem Forschungsvorhaben „Gesamtheitliche Sanierung zusammenhängender Siedlungsstrukturen“ (Wohnbauforschungsprojekt des Landes Salzburg 2002 - 2004); Projektkoordination: Ing. Inge Straßl, SIR (Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen). i222-11a
Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 17.11.2004
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