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Offensive für Jugendbeschäftigung im Land Salzburg



Offensive für Jugendbeschäftigung


Blachfellner und Buchinger: Vorrang für Ausbildung und Qualifizierung / Implacement-Stiftungen sind die Zukunft




LK • „Starthilfen“ für Jugendliche in das Berufsleben bietet das Land gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice im Ende Jänner beschlossenen Jugendbeschäftigungsprogramm "Jobs for you(th)" an. Heute, Donnerstag, 26. Februar, nahmen Sozialreferent Landesrat Walter Blachfellner und der Leiter des Arbeitsmarktservice Salzburg, Dr. Erwin Buchinger, die Vertragsunterzeichnung zu diesem „Qualifizierungspaket“ für Jugendliche vor. Darüber hinaus wurden die konkreten 21 Kursmaßnahmen des insgesamt 2,7 Millionen-Euro-Beschäftigungspaktes für Jugendliche vorgestellt. Das Land Salzburg stellt dafür 500.000 Euro zur Verfügung.


Das Jugendbeschäftigungsprogramm „Jobs for you(th)“ sieht ein Bündel unterschiedlicher Maßnahmen vor. Neben der Bereitstellung vorübergehender Beschäftigungsmöglichkeiten werden die Jugendlichen auch durch Qualifizierungsmaßnahmen betreut.


„Es geht um die Abklärung des Qualifikationsbedarfs, die Motivierung der Jugendlichen, die Herstellung von Kontakten zu Unternehmen, mit deren Unterstützung die Jugendlichen qualifiziert und vermittelt werden. Berufsorientierungskurse, so genannte ‚Startjobs’, aber auch die Schaffung von Zukunftsberufen im EDV- und Behindertenbereich zählen dazu. Wichtig ist dabei besonders die punktgenaue maßgeschneiderte Qualifizierung der Jugendlichen“, erklärten Blachfellner und Buchinger. Das Jugendbeschäftigungsprogramm wird in den Jahren 2004/2005 umgesetzt und soll auf Grundlage der Planungen des AMS die Betreuung von insgesamt 375 Jugendlichen in diesem Zeitraum ermöglichen.
Die Jahresbilanz 2003 zur Situation auf dem Salzburger Arbeitsmarkt zeigt, dass in Salzburg Arbeitsuchende im Alter von 19 bis unter 24 Jahren von der weiter steigenden Arbeitslosigkeit am stärksten betroffen sind. Dabei sind die Lehrlinge von heute die Fachkräfte von morgen, und die Wirtschaft braucht junge gut qualifizierte Arbeitskräfte, um den Wirtschaftsstandort Salzburg attraktiv zu halten und zu verbessern, so Blachfellner und Buchinger. Buchinger rechnet damit, dass die Zahl der beim AMS vorgemerkten arbeitsuchenden Jugendlichen im Alter zwischen 19 und 24 Jahren in den kommenden Monaten jeweils um zirka 150 bis 200 Personen über den Vergleichszahlen des Vorjahres liegt, da der Erfolg der mehrmonatigen Kursmaßnahmen des Sonderprogramms „Jobs for you(th)“-Programmes erst im zweiten und dritten Quartal 2004 spürbar sein werde.


Vorrang für Ausbildung und Qualifizierung


Nach wie vor stellen Ausbildung und Qualifizierung den Schlüssel für einen funktionierenden Arbeitsmarkt dar. „Das gilt für gute wirtschaftliche Zeiten genauso wie für etwas weniger gute“, schilderte Buchinger. Und somit werden in Salzburg hoch innovative Qualifizierungsmaßnahmen gesetzt, die für jede Zielgruppe sozusagen „maßgeschneidert“ sind. Buchinger: „Wir müssen uns mit den Menschen beschäftigen und immer neue Angebote entwickeln. Denn ein 17-Jähriger wird eine andere Ausbildungsschiene brauchen wie etwa ein 50-Jähriger, der womöglich schon längere Zeit ohne Arbeit ist.“ Besonders junge Menschen sollen nicht den Mut verlieren und mit dem „Jobs for you(th)“-Programm für eine bestimmte Zeit eine Beschäftigungs- und Betreuungsmöglichkeit erhalten. Blachfellner: „Das Ziel dieses Paktes ist aber letztendlich, dass die Jugendlichen nach diesem Programm eine fixe Anstellung erhalten und voll in den Arbeitsmarkt integriert sind."
„Gerade jetzt in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit müssen wir antizyklisch denken und handeln und in die bessere Ausbildung und Umschulung der jungen Arbeitnehmer investieren“, betonte Buchinger. Nur so könnten die Betriebe bei einem beginnenden Aufschwung alle Wachstumspotenziale nutzen. Deshalb seien jetzt Förderungen der öffentlichen Hand für Investitionen der Unternehmen in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und die Aufnahme von Jugendlichen richtig und wichtig. Vor allem Jugendliche mit Lernschwierigkeiten sollen zu einem echten Lehrabschluss kommen.


Hilfe für Jugendliche ohne Abschluss – Coaching für Lehrabbrecher


„Im Visier“ sind vor allem jene Jugendlichen, die eine Lehre aus welchen Gründen auch immer abgebrochen haben oder keinen Ausbildungsabschluss vorweisen können. „So etwas muss ja nicht unbedingt deswegen passiert sein, weil jemand etwas nicht machen kann oder will. Gerade Jugendliche erkennen oft erst im Laufe der Zeit ihre wahren Stärken und Schwächen“, weiß Blachfellner. Dabei erhalten Jugendliche im Metall- und Elektrobereich, Bau- und Bauneben- sowie im Transportgewerbebereich, die Möglichkeit die Lehrabschlussprüfung nachzuholen bzw. ihre Ausbildung zu Ende zu bringen. In diesen Kursen geht es aber auch darum, die Gründe für den fehlenden Ausbildungsabschluss zu erörtern sowie die oft mangelnden Grundkompetenzen für die Arbeitswelt wie Verlässlichkeit, Flexibilität, Bewerbungstraining den Jugendlichen zu vermitteln. Buchinger: „Eine gute Arbeitsmarktpolitik zeichnet sich auch dadurch aus, dass den Arbeitnehmer/innen eine zweite oder dritte Chance geboten wird." Landesrat Blachfellner sagte, dass ein fehlender Berufsabschluss wie ein Bumerang wirken kann: Während des ganzen Berufslebens fehlt dieser Baustein für den beruflichen Aufstieg. Außerdem seien Minderqualifizierte bei einem Konjunkturtief die Ersten, die gekündigt werden. Diverse Hilfsarbeiterjobs und Arbeitslosigkeit prägen zumeist dann die berufliche Laufbahn der Lehrabbrecher.
Höherqualifizierungsmaßnahmen und Implacement-Stiftungen: Berufsausbildungen nach Maß für Jugendliche
Der Bedarf der Wirtschaft an Facharbeiter/innen und qualifizierten Kräften steigt ungebrochen an. Weiterbildungsaktivitäten, die Arbeitslosen eine Anpassung ihrer beruflichen Qualifikation an die gewandelten Erfordernisse der Wirtschaft ermöglichen, sind gefragt. Gerade in Zeiten eines ausgetrockneten Arbeitsmarktes sichert die Höherqualifizierung von Vorgemerkten, die auch sonst irgendwie unterkommen würden, Arbeitsplätze – dies ist im Sinne einer aktiven Arbeitsmarktpolitik ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Prävention, so Buchinger. Der Leiter des Arbeitsmarktservice wies darauf hin, dass maßgeschneiderte Weiterbildungsangebote – so genannte Implacement-Stiftungen – als Mittel der aktiven Arbeitsmarktpolitik immer wichtiger werden. Wesentlich ist die Neu-Ausrichtung der Stiftung als Instrument des „Service für Unternehmen“, das aktiv jenen Unternehmen angeboten wird, die einen Personalbedarf melden, der nicht sofort abgedeckt werden kann. So kann ihnen rasch eine Möglichkeit zur Beseitigung des Facharbeiter-Mangels geboten werden. Auch im „Jobs for you(th)“-Programm findet sich die punktgenaue und arbeitsplatznahe Qualifizierung für Jugendliche in Form der Implacement-Stiftung wieder. In einem zweimonatigen Kurs sollen Jugendliche für das Unternehmen „Salzburger Aluminium AG (SAG)" mit Sitz in Lend eine hochwertige und spezielle Schweißerausbildung erhalten. Mit diesen Implacement-Kursen werden grundsätzlich zwei Ziele verfolgt: Die Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt sowie Hilfe für Unternehmen bei der Personalsuche durch nachfrageorientierte und arbeitsplatzgenaue Ausbildungen.


„Während für die Unternehmen der große Vorteil der Stiftung darin liegt, dass sie ihr neues Personal exakt nach ihren Bedürfnissen ausbilden können, bietet sich motivierten und ausbildungswilligen Arbeitslosen die wohl einmalige Chance, eine praxisnahe Höherqualifizierung zu Topkonditionen zu absolvieren", fassten Blachfellner und Buchinger zusammen. Das Neue an der Implacement-Stiftung ist, dass der Träger seine Qualifizierungsangebote ausschließlich an den Arbeitsplatzanforderungen der Wirtschaft orientiert. Implacement-Stiftungen seien mehr denn je gefragt und würden zu Outplacement-Stiftungen eine wichtige Ergänzung darstellen, so Buchinger.


Auch für den wichtigen Wirtschaftsbereich im Bundesland Salzburg, die Tourismusbranche, enthält das Maßnahmenpaket Weiterbildungsmöglichkeiten, und zwar in den Hotelbereichen Küche und Rezeption. Auch hier soll möglichst „arbeitsplatznah“ qualifiziert werden.


Damit Träume nicht gleich am Anfang zerplatzen – Startjobs erleichtern den Einstieg in das Berufsleben


Damit Berufsträume nicht von Anfang an zerplatzen, fördern Land und AMS Startjobs für Jugendliche im EDV-Bereich, die trotz guter Ausbildung, aber wegen mangelnder Praxis am Arbeitsmarkt noch keine Chance bekommen haben. „Oft liegt es nicht an der Qualifikation", so Landesrat Blachfellner. „Die ist zumeist durchaus vorhanden. Was junge Menschen natürlich nicht mitbringen können, ist eine jahrelange Praxis“, betonte Buchinger.

Behindertenbetreuer – Ausbildungslehrgang mit besten Jobchancen


Mit einem „Lehrgang zum Behindertenbetreuer" sollen weiters steigende Nachfrage und Bedarf an Behindertenbetreuungspersonal gedeckt werden. Grund für den Arbeitskräftebedarf in diesem Bereich sind die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Rund 1.400 Menschen mit Behinderung im Bundesland Salzburg benötigen professionelle Betreuung im Alltag, beispielsweise bei der schulischen oder beruflichen Ausbildung oder in einer der zahlreichen Tagesbetreuungsplätze für behinderte Menschen. Die Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen mit Behinderung werde aber in den kommenden Jahren rasant steigen, betonte Blachfellner. So war die Versorgung von älteren Menschen mit Behinderung lange Zeit kein Thema, da es wegen der „Euthanasie“-Morde in der NS-Zeit und der früher geringeren Lebenserwartung nur wenige ältere Menschen mit einer geistigen Behinderung gab. Daher gelte es, die Versorgung durch ausreichende menschlich und fachlich qualifizierte Mitarbeiter/innen sicherzustellen.
Der neunmonatige Lehrgang für 20 Teilnehmer/innen wurde gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice Salzburg, dem Berufsförderungsinstitut, der Diakonie und anderen Behinderteneinrichtungen, allen voran der Lebenshilfe Salzburg, entwickelt.


Frauen und Technik – kein Widerspruch


„Frauen in die Technik“ ist ein Projekt, welches das Berufswahlspektrum von Mädchen erweitern und einen Lehrabschluss in technischen Berufen ermöglichen will. Die Berufswahl von Mädchen und Frauen wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Dazu zählen erstens die Beschaffenheit und Tradition des Arbeitsmarktes und zweitens gesellschaftliche Vorstellungen über weibliche Lebensentwürfe, bestätigte Blachfellner. Die Entscheidung für einen bestimmten Beruf geht meist Hand in Hand mit einer Vorstellung von geeigneten weiblichen Lebensformen und Lebenskonzepten. Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie spielt dabei eine große Rolle. Geeignete weibliche Lebensformen sind nach wie vor traditionell geprägt. Durch die traditionelle Orientierung nehmen Mädchen zahlreiche Berufsoptionen gar nicht wahr. Dadurch wird ihnen die Chance genommen, eigene Wege jenseits traditioneller Rollen zu wählen.


Die drei häufigsten Lehrberufe bei Mädchen sind noch immer:
Einzelhandelskauffrau (19,7 Prozent)
Bürokauffrau (13,9 Prozent)
Friseurin (13,2 Prozent)


Traditionell weibliche Berufsfelder werden schlechter entlohnt


Buchinger wies darauf hin, dass die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern in den vergangenen drei Jahrzehnten in Österreich größer und nicht kleiner geworden sei. Der Einkommensunterschied beträgt immer noch rund 31 Prozent. Diese enorme Differenz ist nicht allein darauf zurückzuführen, dass viele Frauen in den Niedriglohnbranchen beschäftigt sind, zeigt Buchinger auf. Die klassisch weiblichen Lehrberufe sind geringer „entschädigt“ als die meisten klassisch männlichen. So verdient beispielsweise ein Lehrling im Metallgewerbe im dritten Lehrjahr 715 Euro – eine Friseurlehre bringt im dritten Lehrjahr 509,44 Euro, sagte Buchinger. i39-11A


Franz Neumayr wird für das Landespressebüro den Redaktionen Fotos von der Vertragsunterzeichnung zwischen Land und AMS anbieten.



Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 26.02.2004

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