Hier finden sie über die Stadt Salzburg, das Salzburger Land und den Oberpinzgau mit seinen Gemeinden Krimml, Wald, Neukirchen, Bramberg, Hollersbach, Mittersill, Stuhlfelden, Uttendorf,Niedersill, Piesendorf, Kaprun und Zell am See touristische und viele andere Informationen.
Beratungsstelle in Zell am See
Wenn Essen zum Problem wird
Eberle: Neues Netzwerk im Pinzgau hilft Betroffenen
(LK) Ess-Störungen stellen ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Problem dar. Obwohl sich Betroffene der unterschiedlichen Krankheitsbilder unter anderem in ihrem Erscheinungsbild beträchtlich unterscheiden, ist es doch allen Essgestörten gemeinsam, dass das lebensnotwendige „Essen“ ein erhebliches psychosomatisches Problem, oft mit körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geworden ist. Menschen mit Ess-Störungen haben eines gemeinsam: Ihre Scham ist oft so groß, dass sie sich niemandem anvertrauen. „Die Betroffenen verheimlichen ihre Probleme und ziehen sich von Freunden und Familie zurück. Der Preis, den Mädchen und Frauen – heute und zunehmend auch Burschen und Männer – für das aktuelle Schönheitsideal ‚schlank, fit, gesund’ zahlen, ist ein hoher und die Zahl der potenziell Gefährdeten ist groß“, so Landesrätin Doraja Eberle heute, Donnerstag, 11. November, in einem Informationsgespräch in Zell am See.
Die Anzahl der Betroffenen stieg in den vergangenen Jahren stetig an, was zum einen auf das propagierte Schönheitsideal, zum anderen auf die bessere Diagnosestellung seitens der behandelnden Ärzte zurückzuführen ist.
In Österreich sind ca. 200.000 Frauen und Mädchen an einer schweren Ess-Störung erkrankt; Burschen und Männer sind ebenfalls in zunehmenden Maße betroffen, auch der Altersbereich weitet sich aus, das heißt es gibt schon Volksschulkinder mit schwerwiegenden Ess-Störungen, es erkranken aber auch noch Frauen mit 60 oder 70 Jahren.
Immer wieder meldeten sich beim Forum Familie Pinzgau Betroffene, Eltern – und hier vor allem Mütter – oder Lehrkräfte auf der Suche nach Unterstützungsangeboten in der Region, sei es Beratung, spezielle Therapie oder auch Selbsthilfe in Gruppen. Daraus entstand die Idee, alle mit diesem Problem befassten Stellen und Personen in der Region in einem Netzwerk zusammenzufassen, mit den Zielen Vernetzung, Erhebung der bestehenden und fehlenden Angebote sowie verbesserte Information und Unterstützung für Betroffene und deren Angehörige anbieten zu können. Im Netzwerk Ess-Störung treffen einander Psychotherapeut/innen, Psycholog/innen, Ärzt/innen, Familienberater/innen, der Bezirksschulrat, Schulpsychologen, Pädagog/innen, Vertreter/innen von ISIS, AVOS, Akzente Pinzgau, die Kinderseelenhilfe und das Qualitätsnetzwerk Übergewicht SOAF zum regelmäßigen Austausch.
In Kooperation mit Akzente Pinzgau gelang es, eine niederschwellige Beratungsstelle in Zell am See zu schaffen. Betroffene, aber auch Angehörige und andere Informations-Suchende können sich ab sofort jeden dritten Dienstag im Monat zwischen 14.00 und 16.00 Uhr in der offenen Beratung oder zwischen 16.00 und 18.00 Uhr nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung an die Beratungsstelle bei Akzente Pinzgau in Zell am See wenden. Die Beratung ist kostenlos und wird mit Geldern des Familienreferates finanziert.
Ess-Störungen sind kein Einzelproblem, sondern eine sehr belastende Situation für die gesamte Familie und das nähere Umfeld. Aufgabe dieses Angebotes ist es, Familien in einer solchen Problemlage zu unterstützen und ihnen bestmöglich zu helfen. Denn obwohl es sich bei Ess-Störungen um schwere Erkrankungen handelt, werden die Betroffenen immer noch stigmatisiert und ihnen wird mit Ratschlägen wie ‚reiß dich zusammen und iss’ begegnet.
In der Beratungsstelle werden Informationen und eine Abklärung der individuellen Situation angeboten und gleichzeitig gemeinsam mögliche Auswege wie eine Weiterbetreuung durch Fachärzt/innen und Therapeut/innen gesucht und vermittelt. Die Beratungsstelle versteht sich als niederschwellige – auf Wunsch anonyme – Erstanlaufstelle ohne Therapiezwang, die auch für hilfesuchende Angehörige offen steht und eng mit den Therapeut/innen und Ärzt/innen der Region zusammenarbeiten wird.
Selbstbewusst gegen den Schlankheitswahn
Vor allem das in den westlichen Industrienationen geltende Schönheitsideal hat einen großen Einfluss auf die Krankheitsentstehung. Dabei wird Schlankheit immer wieder mit Attraktivität, beruflichem und privatem Erfolg assoziiert. Durch die Medien wird diese Tendenz weiter gefördert. Dies führt dazu, dass vor allem Mädchen, aber auch immer mehr junge Männer, mangelndes Selbstwertgefühl durch übertriebenen Schlankheitswahn kompensieren wollen.
Um Ess-Störungen zu verhindern ist es wichtig, Mädchen und junge Männer zu stärken und ihnen ein Gefühl für ihre eigenen Fähigkeiten und Talente zu geben. Ebenso wichtig ist es, ihnen ein positives Gefühl für ihren Körper zu vermitteln; ein positives Körpergefühl kann unter anderem der Entstehung von Ess-Störungen vorbeugen. Die Entwicklung eines natürlichen Gefühls für Hunger und Sättigung sollte unterstützt werden. Mädchen und junge Männer sollen lernen, das herrschende Schönheitsideal zu hinterfragen und ein kritisches Medienbewusstsein zu entwickeln. Die Betroffenen sollen Bewältigungsstrategien erlernen, um so angemessen auf psychische Belastungen und Anforderungen zu reagieren. Aufklärungsarbeit über die Sinnlosigkeit von Diäten und die Auswirkungen auf den Körper müssen diese Punkte begleiten.
Die häufigsten Ess-Störungen sind Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Anorexie (Magersucht), Binge Eating (Heißhungeranfälle) und Orthorexie (extrem gesundheitsbewusstes Essen). Alle diese Ess-Störungen können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Es ist entscheidend, zielführende Präventionsstrategien und die möglichst frühzeitige Erfassung und Behandlung von Betroffenen zu gewährleisten, um damit nicht nur die Lebensqualität der Menschen zu verbessern sondern auch die Arbeitsfähigkeit zu sichern und die Kosten, die dem Gesundheitssystem entstehen, zu verringern.
Mehr Infos unter www.pinzpower.at oder www.akzente.net/essen. i218-11A
Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 11.11.2004
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