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Zehn Salzburger Gesundheitsziele
Ungesundem Bauchfett den Kampf ansagen
Burgstaller und Apothekerkammer starten Aktion „Salzburg misst und nimmt ab" / Bauchmessbänder für alle Salzburger/innen
(LK) Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle sind die häufigste Todesursache in Salzburg und nach Verletzungen bei Unfällen auch der zweithäufigste Grund für eine stationäre Aufnahme im Spital. „Daher ist die Reduzierung von Herz-Kreislauf-erkrankungen eines der wichtigsten unter den zehn Salzburger Gesundheitszielen.“ Dies erklärte Gesundheitsreferentin Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller heute, Freitag, 12. November, bei einem Informationsgespräch im Chiemseehof, bei dem eine gemeinsame Aktion des Gesundheitsressorts und der Apothekerkammer vorgestellt wurde. Die Aktion macht auf die Gefahren der Fettkrankheit aufmerksam, bietet einfache Anleitungen zum Feststellen der persönlichen Betroffenheit und macht Vorschläge zur gesunden Ernährung.
Die Welt-Gesundheitsorganisation bezeichnet die rasche Zunahme des Übergewichts in der westlichen Welt als eine der schlimmsten Gesundheitsbedrohungen. Mit der Bauchmess-Aktion soll bei Frauen, Männern und Jugendlichen ab 14 Jahren Bewusstsein für das Risiko der Fettkrankheit geschaffen werden. Gemeinsam mit Präsident Dr. Friedemann Bachleitner-Hofmann von der Salzburger Apothekerkammer, dem österreichischen Lipidforum und einem privaten Sponsor wird die Aktion heute gestartet. Alle Salzburger Haushalte finden ab kommendem Dienstag die neueste Ausgabe der Landeszeitung „Unser Land“ im Postkasten, wo ein Messband beigelegt ist. Da nur mehr in wenigen Haushalten Kleidung selber geschneidert wird, ist es nötig, Maßbänder zu verteilen.
„Ich lade alle Salzburgerinnen und Salzburger ab 14 Jahren ein, den eigenen Bauchumfang und den der Familie zu Hause oder in allen Salzburger Apotheken messen zu lassen“, so Burgstaller. Wenn der rote Bereich des Maßbandes erreicht wird, sollten Risikofaktoren wie Cholesterin, Blutzucker, Blutdruck usw. getestet werden. Landesweit stehen dafür die Apotheken zur Verfügung, für die Durchführung aller Tests wird der Selbstkostenpreis von zehn Euro pro Person berechnet. Außerdem wird eine Ernährungsberatung angeboten, die helfen soll, weniger Fett pro Tag aufzunehmen, denn die Fettkrankheit ist die Folge von fettreicher Ernährung und mangelnder Bewegung.
Beim Bauchumfang zählt jeder Zentimeter
Wenn der Bauchumfang zurückgeht, geht das Risiko für Gefäßerkrankungen sofort zurück. „Mit der Bauchmess-Aktion soll der Anstoß zu einem Überdenken der Ernährung und der täglichen Zeit für Bewegung gegeben werden“, sagte Burgstaller.
„Die Bemühungen der Salzburger Apothekerinnen und Apotheker im Kampf gegen die Fettkrankheit gehen weiter. Die vor einem Monat von uns veröffentlichten Ergebnisse unserer Testaktion zur Überprüfung der Risikofaktoren vom Frühjahr des heurigen Jahres waren auch für uns überraschend. Rund zwei Drittel der rund 2.800 untersuchten Probanden mussten wir an einen Arzt verweisen, weil zumindest einer der untersuchten Gesundheitswerte Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker oder Bauchumfang im roten Bereich lag“, erläuterte Apothekerkammer-Präsident Bachleitner-Hofmann. „Wir begrüßen daher die Initiative von Landeshauptfrau Burgstaller zu dieser flächendeckenden Aktion im Land Salzburg. Und wir werden diese Aktion tatkräftig unterstützen“, so Bachleitner-Hofmann weiter.
In drei Schritten zum „gesunden“ Bauchumfang
Im ersten Schritt der Aktion wird der Bauchumfang gemessen. Beim zweiten Schritt wird das Vorscreening, also der Test der Risikofaktoren, durchgeführt. Wenn ein erhöhter Bauchumfang durch Selbstmessung erkannt wurde, sollte eine weitere Abklärung bestehender Risikofaktoren folgen. „Da es in Salzburg nun bereits ein etabliertes und von der Bevölkerung akzeptiertes Risikoscreening-Modell gibt, ist der nächste Schritt schon getan. Die Schwellenangst, in einer Apotheke einen anonymen Risikocheck zu machen, ist offenbar wesentlich geringer als zum Arzt zu einer Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Im Gegensatz zu anderen Vorsorgeinitiativen (Gesundheitstage, Messen, etc.) ist sichergestellt, dass in den Apotheken eine sichere Unterscheidung Kranker und Gesunder zu treffen ist, und eine weitere Überweisung der Hochrisikogruppen zum Arzt erfolgt. Die Bürger/innen können den Blutdruck, den Cholesterinspiegel und eventuell den Blutzucker in der Apotheke bestimmen lassen“, erklärte Dr. Bachleitner-Hofmann.
Im dritten Schritt ist eine Intervention bei der Ernährung vorgesehen. Studien in verschiedenen Ländern konnten zeigen, dass bereits innerhalb kurzer Zeit ein Rückgang der Krankheitshäufigkeit (Neuauftreten von Diabetes und Bluthochdruck) erreicht werden kann. Einer Studie in Finnland zufolge erreichten Betroffene durch eine erfolgreiche Änderung des Lebensstils eine Reduktion der Diabeteshäufigkeit um mehr als 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Jeder Zentimeter weniger Bauchumfang bedeutet fünf Prozent weniger Risiko einer Folgeerkrankung.
„Wenig tierische Fette (Wurst, Vollmilch, Milchprodukte, Fleisch), mehr pflanzliche Produkte (Obst, Gemüse, Reis, Nudeln)“, so lautet die einfache Formel. Ein entscheidender Schritt ist eine deutliche Reduktion des Anteils an tierischen Fetten in der täglichen Ernährung. „Um dies der Bevölkerung deutlich zu machen, verteilen wir ab sofort in allen Salzburger Apotheken eine von Univ.-Doz. Dr. Harald Kritz zusammengestellte Fettpunkte-Tabelle mit den wichtigsten Lebensmitteln und Speisen. Mittels dieser Tabelle kann auf ganz einfache Weise der Fettanteil des Speiseplanes bestimmt und reduziert werden“, so der Apothekerkammer-Präsident.
Ein Fettpunkt entspricht fünf Gramm hochgesättigtem Fett. Maximal 30 Gramm pro Tag (= sechs Fettpunkte) sind anzustreben. So kann jederzeit festgestellt werden, wie viel Fett man konsumieren möchte bzw. bereits konsumiert hat; nicht nur zu Hause, sondern auch beim Einkaufen oder wenn man auswärts isst. „Wir werden wieder alle von den Apotheken erhobenen Gesundheitswerte statistisch erfassen und auswerten lassen. Die Bestimmung der Gesundheitswerte bieten wir wieder zum Selbstkostenpreis von zehn Euro an“, sagte Bachleitner-Hofmann.
Herz-Kreislauferkrankungen verursachen Kosten für alle
Herz-Kreislauferkrankungen sind in Europa und auch in Österreich nicht nur die Hauptursache für vorzeitigen Tod und Erkrankung, sie verursachen auch zu einem großen Teil die eskalierenden Kosten der Gesundheitsversorgung. Die Ursache ist eine über viele Jahre unbemerkte Erkrankung der Gefäße (Atherosklerose), die sich beim Auftreten der ersten Symptome üblicherweise in einem fortgeschrittenen Zustand befindet.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren in der westlichen Welt und den Schwellenländern vor allem die viszerale (das Darmsystem betreffende) Übergewichtigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen explosionsartig zunimmt, und die Fettkrankheit (viszerales Übergewicht, Bluthochdruck, Blutfetterhöhung, Zuckerkrankheit) bei immer jüngeren Menschen auftritt. „Die von unserer Arbeitsgruppe kürzlich präsentierte Untersuchung des Gesundheitszustands der Salzburger Bevölkerung bestätigt diese Besorgnis erregenden Daten auch auf regionaler Ebene“, erklärte Univ.-Doz. Dr. Harald Kritz, Facharzt für Innere Medizin, Atheroskleroseforscher und gleichzeitig Leiter der AG Fettkrankheiten des Lipidforum austriacum (www.lipidforum.at), in seiner Funktion als wissenschaftlicher Projektleiter des Apotheken-Screenings Salzburg und der Aktion „Salzburg misst und nimmt ab“.
Geändertes Bewusstsein als Chance für wirksame Prävention
Da ein erhöhter Bauchumfang in unseren Breiten eher als Zeichen von Wohlstand und weniger als Krankheit gesehen wird, und die Folgen lange symptomlos und daher oft unentdeckt bleiben, ist es Aufgabe einer erfolgreichen präventionsorientierten Gesundheitspolitik, durch gezielte Informationskampagnen eine Sensibilisierung für den Zusammenhang zwischen Bauchfett und Krankheit zu erreichen, um damit die Grundlage für eine Änderung der krankmachenden Verhaltensweisen (falsches Essen, mangelnde Bewegung) in allen Altersgruppen zu schaffen.
Nach der Nahrungsaufnahme wird überschüssige Nahrung als Fett im Bauchbereich zwischengelagert, um bei körperlicher Bewegung oder fehlender Nahrungsaufnahme eine rasche und kontinuierliche Energieversorgung zu sichern. Wenn nun die Bewegung unterbleibt bzw. weiterhin ständig zu viel (fette) Nahrung aufgenommen wird, wird das Zwischenlager zum Endlager, und der Körper versucht das überschüssige Fett an anderen Orten des Körpers (Blut, Leber, Muskulatur, Gefäße, etc.) abzulagern. Die ständige Fettflut führt zu einem vierfach häufigerem Auftreten von Diabetes (Insulinresistenz), zu einer Verdoppelung des Risikos von Bluthochdruck und zu einer Erhöhung der im Blut messbaren Fette (Cholesterin, Triglyceride). „Die Gefäße halten die Einlagerung von Fett viele Jahre ohne Schmerzen oder sonstige Symptome aus. Man bemerkt die Folge der Fettkrankheit erst, wenn ein lebensbedrohlicher Zustand eintritt. An einer Stelle wird das Gefäß brüchig, und das austretende Fett führt zu einem akuten Verschluss des Gefäßes; es kommt zum Herzinfarkt oder Schlaganfall. Viele Menschen sterben daran, bevor sie noch das Spital erreichen“, so Kritz. Neu ist die Erkenntnis, dass Fettgewebe, das nicht im Bauchbereich eingelagert ist (z. B. Hüften), nicht so schädlich ist, wie ursprünglich angenommen wurde. Daher ist Übergewicht differenzierter zu betrachten.
Warum man seinen Bauchumfang messen sollte
„Die Ergebnisse großer Vergleichsuntersuchungen und ein besseres Verständnis der Zusammenhänge haben gezeigt, dass die Bestimmung des Bauchumfangs den bisher eingesetzten Methoden (Gewicht, Body mass index, Körperfettmessung) deutlich überlegen ist, um vorherzusagen, ob das Übergewicht erkrankungsrelevant ist oder nicht“, begründete Kritz die Bedeutung der Messung des Bauchumfangs. Inzwischen liegen auch ausreichend Studien vor, um verlässliche Grenzwerte für den kritischen Bauchumfang festlegen zu können.
Die regelmäßige Messung des Bauchumfangs sollte eine Selbstverständlichkeit in jeder Familie sein. Da Maßbänder heute nicht mehr in jedem Haus zur Verfügung stehen, ist es naheliegend, mit Grenzwerten markierte Maßbänder kostenlos an die Bevölkerung zu verteilen. Die besten Resultate werden erzielt, wenn die Betroffenen die Untersuchung selber vornehmen. Aus Vergleichsuntersuchungen mit der durch Computertomographie bestimmten Bauchfettmenge wurde erkannt, dass diese einfache Untersuchung sehr verlässlich ist.
Man misst den Bauchumfang am besten morgens vor dem Frühstück: Das Maßband in Nabelhöhe anlegen, den Bauch nicht einziehen und im Stehen messen.
70/90/100 Zentimeter als Grenzwerte sollten der Bevölkerung bewusst gemacht werden:
Jugendliche: ab 70 Zentimeter beginnt in allen Altersstufen eine Vorwarnstufe. Das gilt auch für jene Betroffenen, die nur gering erhöhtes Gewicht bzw. einen gering erhöhten Body mass index haben.
Bis zum 18. Lebensjahr sollten Mädchen nicht mehr als 80 Zentimeter und Burschen nicht mehr als 90 Zentimeter haben. Bei Grenzwerten sind größen- und altersbezogene Korrekturen sinnvoll.
Erwachsene: Bei Männern sollte der Bauchumfang nicht mehr als 100 Zentimeter, bei Frauen nicht mehr als 90 cm betragen. Die Idealwerte liegen jeweils um zehn Zentimeter darunter. Liegen die Werte darüber, steigt das Risiko um jeweils fünf Prozent pro Zentimeter. Eine Suche nach weiteren Risikofaktoren (Bluthochdruck, Zucker, Blutfette) ist dringend angezeigt (z. B. Apotheken-Screening, Vorsorgeuntersuchung beim Arzt).
Wenn der Bauchumfang zu hoch ist, sind langfristige Maßnahmen, die von der ganzen Familie mitgetragen werden, am wichtigsten, und nicht Verbote (Gefahr der Ernährungsstörungen), sondern eine positive Umstellung. Die Salzburger Gesundheitspolitik wählt dazu erstmals in Österreich einen Weg, der internationalen Standards entspricht und die ganze Familie integriert.
Realistische Ziele für die ganze Familie:
Maximal ein Zentimeter Reduktion Bauchumfang pro Monat (Jugendliche: 0,5 cm).
Wichtigstes Ernährungsziel: Zehn Gramm weniger gesättigtes Fett pro Tag (Halbfettmilch statt Vollmilch, Schinken statt Wurst, Apfelstrudel statt Apfeltasche).
Wichtigstes Bewegungsziel: Weniger sitzen – mehr bewegen; langsame Reduktion der Sitzzeiten (Computer, TV) und stufenweise Erhöhung der täglichen mit Freude erlebten Bewegung, also keine „Leibeserziehung“ sondern Bewegung, die auch Übergewichtigen Spaß macht (Wassersportarten, Tanzen, Nordic-Walking).
Was man in Salzburg erreichen will
1. Rückgang des gesättigten Fettkonsums in Salzburg (Ernährungsbericht) um etwa zehn Gramm in fünf Jahren (45 Prozent Risikoreduktion).
2. Rückgang des durchschnittlichen Bauchumfangs der Salzburger Bevölkerung um einen Zentimeter pro Jahr (von derzeit 91 cm Apotheken-Screening).
3. Rückgang des Grundanteils übergewichtiger Jugendlicher.
4. Rückgang der ambulanten Krankheitshäufigkeit (um etwa fünf bis zehn Prozent pro Jahr).
5. Rückgang der stationären Krankheitshäufigkeit (Ziel: 1.000 Spitalstage weniger pro Jahr).
6. Rückgang der Herz-Kreislauf-Krankheitshäufigkeit in Salzburg (100 Tote weniger pro Jahr).
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Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 12.11.2004
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