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Pflegeleistungen in Salzburg
Pflegenden Angehörigen zur Seite stehen
Buchinger bei Fachtagung "Demenz und pflegende Angehörige" in Salzburg
(LK) „60 Prozent der Pflegeleistungen in Salzburg werden von Familienangehörigen – zumindest Frauen – erbracht. Es ist einer der erklärten Ziele des Landes diese hohe Pflegebereitschaft auch in Zukunft aufrecht zu erhalten.“ Dies erklärte Sozialreferent Landesrat Dr. Erwin Buchinger heute, Donnerstag, 28. Oktober, bei einem Informationsgespräch anlässlich der Fachtagung der ÖKSA (Österreichisches Komitee für Soziale Arbeit) zum Thema „Demenz und pflegende Angehörige“ im Brunauer-Zentrum. Buchinger verwies dabei auf die Notwendigkeit, pflegenden Angehörigen Unterstützung zu bieten. Allerdings seien demographische Entwicklungen wie der Trend zu Kleinfamilien und Einzelhaushalten sowie die steigende Berufstätigkeit von Frauen zu bewältigen. „Wichtig ist dabei, dass man Angehörigen mit Angeboten zur Seite steht, die es ermöglichen, Pflegeleistungen im familiären Bereich aufrecht zu erhalten“, formulierte Buchinger die Herausforderung, der sich das Land in diesem Bereich gegenübersieht.
„Neue“ Wege in Salzburg
In Salzburg setzt man dabei gezielt auf Angebote, die pflegende Angehörige entlasten. Die Errichtung von Tageszentren oder die Möglichkeit der Kurzzeitpflege bieten Angehörigen für eine bestimmte Zeit die Möglichkeit „loszulassen“. „Die Pflege gerade von dementen Personen ist psychisch keine leichte Aufgabe. Auch dem Familienleben tut es gut, wenn etwa durch ein Kurzzeitpflegeangebot in einem Seniorenheim einmal ein Urlaub möglich gemacht wird“, weiß Buchinger, der betonte, dass es bereits in vielen Seniorenheimen in Salzburg diese Möglichkeit geboten wird. Wichtigstes Instrument zur Entlastung pflegender Angehöriger bleibe jedoch das Netz sozialer Dienste im Bereich der Haushaltshilfe und der Hauskrankenpflege, die gerade im Zusammenspiel mit pflegenden Angehörigen die besten Resultate erzielen. „Salzburg ist hier gemeinsam mit Wien einer der Vorreiter, was die Betreuungsdichte betrifft, wobei hervorgehoben werde muss, dass dieses Angebot auch regional flächendeckend existiert“, unterstrich Buchinger den hohen Standard Salzburgs im Bundesländervergleich.
Soziale Dienste sichern Qualität der Betreuung
Gerade der Kontakt mit den Sozialen Dienste bzw. der Kurzzeitpflege im Seniorenheim ist für Buchinger auch entscheidend für die Qualität der privaten Pflege. „Jeder Mensch ohne eigene Ausbildung ist in der Pflege zuerst einmal überfordert – im Gespräch mit den Fachkräften kann man jedoch einiges dazulernen“ ist Buchinger überzeugt. Für ihn kommt der Aufrechterhaltung des dichten Netzes an Sozialen Diensten „größte Priorität“ zu, da auch neue Erkenntnisse gerade zur Behandlung dementer Personen nur von professionellem Personal weitergegeben werden können.
Soziales Engagement auf breiter Basis
Das Österreichische Komitee für Soziale Arbeit wurde im Jahr 1956 als überparteilicher, bundesweiter Verein gegründet. Sein Ziel als Dachorganisation ist, eine Plattform für alle im Sozialbereich Engagierten zu sein. Dem ÖKSA gehören eine Reihe von staatlichen und Nicht-Regierungsorganisationen als ordentliche Mitglieder an, die weite Bereiche der Sozialarbeit mit ihren vielfältigen Formen repräsentieren. Aber auch Einzelpersonen sind dem ÖKSA als fördernde Mitglieder verbunden.
ÖKSA - Im Präsidium sind mit sieben großen Wohlfahrtsorganisationen (Caritas, Diakonie, Volkshilfe Österreich, Österreichisches Hilfswerk, Österreichisches Rotes Kreuz, Jugend am Werk, Lebenshilfe Österreich), dem Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz und drei Bundesländern (Oberösterreich, Niederösterreich, Wien), maßgebliche Entscheidungsträger für die österreichische Sozialpolitik und -praxis vertreten. Diese in Österreich einzigartige Zusammensetzung sichert das Einbringen eines breiten Meinungs- und Erfahrungsspektrums, wodurch relevante Themen der Sozial- und Gesellschaftspolitik aufgegriffen, transparenter gemacht und ihrer Bestimmung zugeführt werden können.
Mittels regelmäßig veranstalteter bundesweiter Tagungen zu aktuellen sozialpolitischen Themen, haben vor allem Multiplikator/innen im Sozialbereich die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und Erkenntnisse bzw. Forderungen an Bund und Länder weiterzugeben. Die Ergebnisse der Veranstaltungen werden in Broschüren dokumentiert, um allen Interessierten zur Verfügung zu stehen.
Die Arbeitsschwerpunkte der letzten Jahre waren: Armut in Österreich, bessere Chancen für Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz, Auswirkungen des EU-Beitritts auf die österreichische Sozialpolitik und -praxis, Pflegevorsorge für ältere Menschen, Ehrenamtlichkeit in sozialen Trägerorganisationen, neue Formen der Pflege, Hospizpflege und Sterbebegleitung, „Freiheitsbeschränkende Maßnahmen“ und „Alter und geistige Behinderung“.
Im vergangenen Jahr beschäftigte sich das ÖKSA mit den Themen: „10 Jahre Pflegevorsorge in Österreich“, dem Konzept der Nachhaltigkeit zur Erhaltung von Arbeit für Menschen mit Behinderungen und auf der internationalen Ebene mit dem Thema „Soziale Kohäsion/Soziale Rechte“.
Die ÖKSA-Jahreskonferenz 2004 findet in Salzburg statt zum Thema: „Demenz – Pflegende Angehörige“ – Alternative Betreuungsmodelle aus nationaler und internationaler Sicht. Expertengespräche/Interne Tagungen sind geplant zu den Themen: Kinderrechtskonvention, Bundesvergabegesetz, Sozialhilfe und EU-Daseinsvorsorge; Filmtage: „Leben sollen wir - sterben müssen wir“. Weiters ist das ÖKSA zum Thema: „Zukunft des europäischen Sozialmodells“ in die Vorbereitungen für die ICSW-Tagung in Luzern 2005 eingebunden.
Am internationalen Sektor ist das ÖKSA Teilorganisation des International Council on Social Welfare (ICSW), dem wiederum mehr als 50 Nationalkomitees und 14 Internationale Mitgliedsorganisationen weltweit angehören. Der ICSW wird als nicht-staatliche Organisation von der UNO laufend konsultiert. Seit dem Weltgipfel 1995 in Kopenhagen setzt sich der ICSW schwerpunktmäßig für die Umsetzung der dort beschlossenen Agenda ein.
Pflege heute und in der Zukunft
Ein aktuelles Thema der Sozialplanung ist die „Zukunft der Pflege“. Dabei gilt es, abseits von „Schreckensszenarien“ voraussehbare Entwicklungstendenzen aufzuzeigen und Wege zur Bewältigung der Herausforderungen zu entwickeln. Der äußere Rahmen dafür ist eine Überarbeitung des seit 1997 geltenden Bedarfs- und Entwicklungsplanes für Pflegebedürftige.
Diese – voraussichtlich im Herbst 2004 erscheinende – Neufassung hat sich als notwendig erwiesen, da die „Soll-Werte“ des Bedarfs- und Entwicklungsplanes 1997 mittlerweile deutlich überschritten worden sind, wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht:
Die Angebote in der stationären Betreuung (also Senioren- und Seniorenpflegeheime), in der Hauskrankenpflege und in der Haushaltshilfe wurden seit 1997 deutlich stärker ausgebaut, als ursprünglich geplant. Der Bundesländervergleich zeigt dabei, dass Salzburg – mit Abstand – die österreichweit höchste „Dichte“ an Pflegebetten aufweist:
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den sozialen Diensten (Hauskrankenpflege und Haushaltshilfe); auch hier liegt Salzburg unter den führenden Bundsländern:
Bedarfs- und Entwicklungsplanung im Bereich Pflege
Einem verbreiteten Vorurteil zufolge reicht es zur Errechnung des künftigen Bedarfs an Pflegeheimplätzen (und sonstigen pflegerischen Dienstleistungen) aus, den derzeitigen Ist-Stand mit der zu erwartenden – und relativ genau bekannten – demografischen Entwicklung (also der anteilsmäßigen Zunahme an Betagten und Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung) „zu multiplizieren“. Tatsächlich spielen jedoch eine ganze Reihe weiterer wichtiger Faktoren mit, die sich bei näherer Betrachtung als Variablen mit enormen möglichen Spannweiten erkennen lassen:
Eine davon ist etwa die durchschnittliche Pflegebedürftigkeit in einer bestimmten Altersgruppe: Wird der durchschnittliche 85-Jährige künftig genau so, mehr oder vielleicht auch weniger pflegebedürftig sein als heute? Das hängt vom Lebensstil (Prävention) und der gesundheitlichen Versorgung ab und ist auf längere Sicht betrachtet kaum einzuschätzen. Experten gehen aber überwiegend davon aus, dass die durchschnittliche Pflegebedürftigkeit künftig eher sinken wird, was der demografischen Entwicklung entgegenwirkt.
Private Pflege und pflegende Angehörige
Ein weiterer entscheidender Faktor für den künftigen Bedarf an „öffentlichen“ (d.h. von der öffentlichen Hand bereitgestellten und zumindest teilweise finanzierten) Pflegedienstleistungen ist das Fortbestehen der Bereitschaft, privat zu pflegen. Hier muss sich erst herausstellen, inwieweit fördernde (mehr Unterstützung für pflegende Angehörige) und hemmende Faktoren diese Bereitschaft einschränken. Zu berücksichtigen ist jedenfalls die steigende Erwerbsquote bei Frauen und die damit sinkende Pflegebereitschaft.
Diese kann – und muss – durch flankierende professionelle Angebote (Hauskrankenpflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege während einer beruflichen/urlaubsbedingten Abwesenheit des/der privat Pflegenden) auf hohem Niveau aufrechterhalten werden. In den kommenden Jahrzehnten wird dabei die individuell tendenziell sinkende Bereitschaft zur privaten Pflege glücklicherweise durch eine höhere Anzahl potenziell privat Pflegender teilweise kompensiert werden, indem geburtenstarke Jahrgänge ins typische „Pflegealter“ (ab etwa 45 Jahren) nachrücken.
Und hierbei ist absehbar, dass die heutige „Standardlösung“ für viele Pflegebedürftige, nämlich der Umzug ins Pflegeheim, künftig nur mehr einen von mehreren gangbaren Wegen darstellen wird, insbesondere dann, wenn der Grad der Pflegebedürftigkeit noch relativ gering ist. In diesem Punkt deckt sich der Wunsch vieler Pflegebedürftiger nach einem „Verbleib in den eigenen vier Wänden“ mit dem Gebot der Wirtschaftlichkeit, da gerade bei geringer Pflegebedürftigkeit das Pflegeheim auch die teuerste und damit unwirtschaftlichste aller Lösungen ist.
In diesem Zusammenhang ist auch zu sehen, dass – nicht zuletzt auf Grund des ausgeweiteten Angebotes an sozialen Diensten, die den längeren Verbleib in der Wohnung ermöglicht haben – Pflegebedürftige (wenn überhaupt) immer später ins Pflegeheim übersiedeln. i209-100
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Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 28.10.2004
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