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Sozialland Salzburg steht stark da
Sozialland Salzburg steht stark da
Blachfellner: Regionalisierung und Ausbau der Angebote im Mittelpunkt
LK • Als drei Jahre Politik für mehr Rechtssicherheit für die Sozialvereine, für Ausbau und Regionalisierung der Betreuungsangebote für alte, behinderte und psychisch kranke Menschen präsentierte Sozialreferent Landesrat Walter Blachfellner heute, Mittwoch, 21. Jänner, in einem Informationsgespräch seine bisherige Regierungsbilanz. Ob bei der Anzahl der Pflegebetten, dem Angebot an sozialen häuslichen Pflegediensten oder bei der aktuellen Höhe des Sozialbudgets mit insgesamt knapp 157 Millionen Euro – Salzburg ist im Sozialbereich gut unterwegs und liegt dabei im Bundesländervergleich an der Spitze.
Für Blachfellner stand bei allen seinen Entscheidungen im Sozialbereich der Mensch im Mittelpunkt, Qualitätssicherung, Kostengerechtigkeit und Planbarkeit waren wichtige Kriterien und auf Grund der aktuellen Einschnitte der Bundesregierung in das erste soziale Netz wie beispielsweise durch die Pensionsreform seien diese Aspekte künftig mehr denn je zu berücksichtigen. Und: Soziale Dienstleistungen sollen in allen Landesteilen verfügbar sein.
Mehr Rechtssicherheit für Sozialvereine – der EU die Stirn geboten
Durch den Abschluss von mehrjährigen Verträgen mit den Behindertenorganisationen habe man eine nachhaltige finanzielle Absicherung und Planbarkeit für die rund 20 Vereine erreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Behinderteneinrichtungen gezwungen, mit dem Land jährlich über die Subvention bzw. Tagsätze zu verhandeln.
Auch die sozialen Dienste konnten durch den Beschluss einer Verordnung, die die Rahmenbedingungen für die Erbringung von Leistungen der sozialen Dienste festlegt, an Stelle von Verträgen mehr Rechtssicherheit erlangen. Diese rechtlich kluge Absicherung sei keineswegs selbstverständlich, sagte Blachfellner in Hinblick auf das Bundesvergabegesetz 2002 und die geltenden EU-Wettbewerbsrichtlinien: „Ende 2002 hat die EU-Kommission gegen Oberösterreich, die Steiermark und Kärnten Klagen eingereicht, nachdem diese Bundesländer mit den sozialen Diensten Verträge abgeschlossen hatten ohne ein Vergabeverfahren durchzuführen“, erläuterte Blachfellner. Dass Salzburg hier eine Klage erspart wurde, sei von der EU-Kommission mit dem offenen Marktzugang und der bestehenden Freiheit, zwischen insgesamt 16 häuslichen Pflegediensten wählen zu können, begründet worden.
Fortschritte in der Altenpflege
Seit dem Amtsantritt von Landesrat Blachfellner im April 2001 wurden rund 250 Pflegeplätze durch den Bau neuer Seniorenheime oder die Erweiterung bestehender Heime geschaffen. Mit insgesamt 5.000 Pflegeplätzen in 75 Seniorenheimen liegt Salzburg im Bundesländervergleich an der Spitze. Rund 2,2 Millionen Euro investierte das Sozialressort dabei für die pflegegerechte dem neuesten Standard entsprechende Ausstattung der Heime und die Sozialhilfeunterstützung für die Bewohnerinnen und Bewohner.
Strategiewechsel in der Versorgung gelungen
Gelungen ist in Salzburg auch der eingeleitete Strategiewechsel in der Pflegeversorgung. Die Heimplätze sollten vermehrt von jenen genützt werden, die auf Unterstützung und Betreuung rund um die Uhr angewiesen sind. Alle anderen älteren Menschen können verstärkt auf die Unterstützung durch Hauskrankenpflege, Haushaltshilfe, Kurzzeitpflege, Tagesbetreuung, oder auf betreubare Wohnungen zurückgreifen. Durch die Veränderung des Tarifssystems mit höheren Tarifen für Personen mit hohem Pflegebedarf werden die Heime in die Lage versetzt, die Pflege auch entsprechend zu gewährleisten.
Der Erfolg dieses eingeleiteten Strategiewechsels zeigt sich in der inzwischen lückenlosen Auswertung der Daten und Fakten zu Salzburgs Heimen. Die über 85-Jährigen stellen mit mehr als 60 Prozent eindeutig die größte Gruppe unter den Bewohnerinnen und Bewohner dar.
Mit der Zielsetzung „so viel Selbstbestimmung wie möglich, so viel Betreuung wie nötig“ werden in den kommenden Jahren neue Betreuungsangebote wie Seniorenzentren mit gesundheitspräventiven und beratenden Angeboten und Tagespflegeplätze geschaffen werden. Im Mittelpunkt steht dabei, dass die Seniorinnen und Senioren ihr Leben weitgehend selber bestimmen können, dennoch aber die Möglichkeit besteht, auf pflegerische Betreuung zurückgreifen zu können, wenn Bedarf besteht.
Urlaub von der Pflege - Pflegeurlaub einmal anders
Um die Pflege der Angehörigen zu unterstützen, wurde unter der Ressortführung von Blachfellner innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Kurzzeitpflegebetten auf rund 65 Betten verdoppelt. Derzeit werden rund 60 Prozent der Pflegebedürftigen von Familienangehörigen gepflegt. Die Kurzzeitpflege dient zur Unterstützung und Entlastung von pflegenden Angehörigen, die einfach einmal von der Pflege ausspannen wollen, selber krank sind, ein pflegefreies Wochen-ende haben möchten, selber einen Kuraufenthalt geplant haben, auf Urlaub gehen möchten oder sonst unter einer besonderen Belastung stehen.
Ausbau der Angebote für Menschen mit Behinderung
Im Behindertenbereich stand der Ausbau von Wohn- und Tagesbetreuungsstätten und somit die soziale und gesellschaftliche Integration im Mittelpunkt der Politik von Landesrat Blachfellner. Einen großen Erfolg stellten dabei die Budgetverhandlungen für den Haushalt 2003/2004 dar, bei denen rund 16 Millionen Euro, das sind um 10,4 Prozent mehr als 2002, für Verbesserungen im Wohnangebot für Menschen mit Behinderungen erreicht wurden.
Neben dem neuen Wohnhaus für ältere Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe in Salzburg-Gneis konnte schließlich auch die Finanzierung des Tagesbetreuungszentrum in Mittersill gesichert werden, welches Anfang des Frühjahres offiziell eröffnet wird. Das Tageszentrum der Caritas habe vor allem die Aufgabe, die Absolvent/innen des Sonderpädagogischen Zentrums in der Region aufzunehmen, so Blachfellner. Insbesondere nach Absolvierung der Schulausbildung beziehungsweise der Schulentlassung dürfe es zu keinen Betreuungsunterbrechungen kommen, betonte Blachfellner. Mit den Tagesbetreuungsplätzen sei sichergestellt, dass die mit hohem pädagogischen Aufwand erworbenen sozialen Kompetenzen der Schüler/innen nicht wieder verloren gehen. Hierfür biete das Tageszentrum einen gesicherten und strukturierten Tagesaufenthalt. Weiters richte sich die Tagesbetreuungseinrichtung auch an geistig und mehrfach beeinträchtigte Menschen mit einem hohen Pflegebedarf. Darüber hinaus sei mit Tagesbetreuungseinrichtungen sichergestellt, dass die betroffenen Personen weiterhin zu Hause in ihrer Umgebung leben.
Heuer werden im Lebenshilfe-Wohnhaus Rottmayrgasse (Salzburg-Stadt) zwölf bis 14 neue Wohnplätze angeboten, weiters wird das Wohnhaus Bischofshofen als Ersatzbau für das derzeitige Wohnhaus, das einem zeitgemäßen behindertengerechten Zustand nicht entspricht, errichtet. Darüber hinaus wird der „Jägerwirt“ - eine Einrichtung der Diakonie für Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen - geschaffen sowie die Wohnhäuser Wals und Tamsweg der Lebenshilfe umgebaut bzw. generalsaniert. Darüber hinaus wird gemeinsam mit der Lebenshilfe die Frühförderung ausgebaut.
Mehr Angebote für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen
Ähnlich wie in der Politik für Menschen mit Behinderung treibt das Sozialressort auch für Menschen mit psychosozialem Betreuungsbedarf den Paradigmenwechsel von der Fremd- zur Selbstbestimmung voran. Eine „Enthospitalisierung“ von Langzeitpatienten wurde durch die Bereitstellung von intensiv betreuten Wohnplätzen und durch die Regionalisierung von Angeboten erreicht. So wird noch diese Woche der Spatenstich für den Neubau des Tauernhofs I,
einem Langzeitwohnheim für psychisch kranke Menschen, erfolgen. Zusätzlich besteht seit kurzem in der Paracelsusstraße eine weitere Betreuungseinrichtung für psychisch kranke Menschen mit Namen „Südhof“.
Darüber hinaus wurden folgende Vorhaben umgesetzt:
· Eröffnung von REFLEX – einem Beschäftigungsprojekt für Menschen mit psychischen Behinderungen;
· Eröffnung der ambulanten Krisenintervention in der Stadt Salzburg;
· Etablierung der Übergangsbetreuung für Menschen mit psychischen Behinderungen in Kooperation mit der Christian-Doppler-Klinik;
· Eröffnung der Substitutionsstelle für nicht sozialversicherte Opiatabhängige.
Mehr Betreuung in den Regionen
Darüber hinaus wird es vor allem in den Regionen zu einer Ausweitung des Betreuungsangebotes kommen. So ist im Pongau derzeit eine ambulante Krisenintervention, die es seit Herbst 2001 bisher nur in der Stadt Salzburg gibt, im Entstehen. Nach dem erfolgreichen Start der außerstationären Krisenintervention und der positiven Akzeptanz der Einrichtung in der Stadt Salzburg sei klar gewesen, dass es auch in den Regionen eine Krisenintervention geben müsse, da die Klient/innen häufig aus den entfernten Landbezirken kommen, sagte Blachfellner. Termin für die Eröffnung: Noch diesen Februar.
Weiters wurde das psychosoziale Betreuungsangebot des Landes, der „Sozialmedizinische Dienst“, regionalisiert. Neben der Beratungsstelle in der Stadt Salzburg gibt es nun Außenstellen in St. Johann und Zell am See. Die Außenstellen werden von der Bevölkerung ausgesprochen gut angenommen und zunehmend zu einer Drehscheibe im Sinne von Koordination und Vernetzung. Zusätzlich gibt es Standorte mit teilweiser Besetzung in Tamsweg und Mittersill. Bei einem weiteren Ausbau der psychosozialen Versorgung werden die Koordinationsaufgaben durch den Sozialmedizinischen Dienst an Bedeutung gewinnen. „Oberstes Ziel dieser Regionalisierung ist es, sich an den Bedürfnissen der Betroffenen zu orientieren, und eine leichte Erreichbarkeit der Einrichtung zu erzielen", so Blachfellner.
Programm zur psychosozialen Versorgung
Durch den im Juli 2002 präsentierten Bedarfs- und Entwicklungsplans zur psychosozialen Versorgung wurde ein breit gefächertes und auf die jeweiligen Bedürfnisse des psychisch kranken Menschen abgestimmtes psychosoziales Versorgungssystem entwickelt. In dem Maßnahmenkatalog sind dabei erstmals Angebote für ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie für psychisch kranke Kinder enthalten, welche nun Schritt für Schritt jährlich umgesetzt werden, kündigte Blachfellner an.
Sozialressort startet Informationsoffensive
Die von Blachfellner Anfang 2003 durchgeführte Sozialhilfe-Informationskampagne unter dem Motto „Wer arm ist, braucht Mut“ sorgte österreichweit für Aufmerksamkeit. Ziel von Blachfellner war es, das „Image" der Sozialhilfe zu verbessern und über den Rechtsanspruch auf Sozialhilfeleistungen zu informieren. Es war österreichweit die erste Aktion dieser Art.
Im September 2003 erhielten Salzburger Unternehmer schließlich erstmals in einer Informationsbroschüre die Möglichkeit, sich über sämtliche Fördermöglichkeiten bei Einstellung eines Behinderten zu informieren. Damit sollen mehr Menschen mit Handicap einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft finden. Die Broschüre stieß auf reges Interesse.
Ausbau der mobilen Jugendarbeit - Streetwork in Hallein
Nach der Stadt Salzburg erhielt im April 2003 auch die Stadt Hallein Streetworker. Betreiber ist die Caritas Salzburg. Streetworker unterstützen die Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer Lebenskonzepte und erleichtern so ihre gesellschaftliche Integration. Ein halbes Jahr später wurde die erste Bilanz vorgelegt und sie zeigt: Das Angebot wird von den Jugendlichen gern angenommen. Streetworkprojekte sollen in den kommenden Jahren auch in den Region Pinzgau oder Pongau angeboten werden.
Familien behinderter Menschen werden unterstützt
Seit dem Sommer vorigen Jahres gibt es für Familien mit behinderten Kindern – wie in der Seniorenbetreuung auch – erstmals die Möglichkeit Familien entlastende Maßnahmen in Form von Ferienbetreuungsaktionen und im zeitlichen Ausmaß einer Ganztagsschule in Anspruch zu nehmen. „Es geht darum, dass sich die Eltern auch einmal Zeit zum Ausspannen nehmen können – denn ein Kind mit Behinderung zu haben erfordert nahezu eine 24-Stunden-Betreuung. Durch die Übernahme der Pflege und Betreuung können die Eltern Zeit für eigene Bedürfnisse und zum Durchschnaufen finden“, erläuterte Sozialreferent Blachfellner. Dieses Angebot wird insbesondere von Alleinerziehenden sehr gut angenommen.
Betreuungspersonal für Menschen mit Behinderung sicherstellen
Mit einem neuen „Lehrgang zum Behindertenbetreuer", der im Vorjahr begann, verfolgte Sozialreferent Landesrat Blachfellner das Ziel, die steigende Nachfrage und den Bedarf an Behindertenbetreuungspersonal zu decken. Grund für den Arbeitskräftebedarf in diesem Bereich sind die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Rund 1.400 Menschen mit Behinderung im Bundesland Salzburg benötigen professionelle Betreuung im Alltag, beispielsweise bei der schulischen oder beruflichen Ausbildung oder in einer der zahlreichen Tagesbetreuungsplätze für behinderte Menschen. Die Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen mit Behinderung werde aber in den kommenden Jahren rasant steigen, betonte Blachfellner. Daher gelte es, die Versorgung durch ausreichende menschlich und fachlich qualifizierte Mitarbeiter/innen sicherzustellen.
Qualifizierung schafft Beschäftigung
Die Bilanz ist erfreulich: Seit 1999 wurden rund 5.000 Personen durch Kursmaßnahmen und betriebliche Einstellförderungen unterstützt, Jugendliche höher qualifiziert oder ihnen ein Ausbildungsabschluss ermöglicht. Rund 60 Prozent der Jugendlichen konnten in den vergangenen fünf Jahren durch Berufsorientierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, Qualifizierungsprogramme, betriebliche und überbetriebliche Lehrausbildungsförderungen einen Arbeitsplatz oder eine Lehrstelle erhalten. Besonders erfolgreich sind die Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte für Ältere- und Langzeitarbeitslose: Mit einer durchschnittlichen Erfolgsquote von 57 Prozent konnten in den vergangenen fünf Jahren durch sozialökonomische Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte rund 8.550 Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. „Jeder einzelne Fall ist ein großer Erfolg. Davon profitieren aber nicht nur die Betroffenen selber – wenn ein Mensch erfolgreich in das Berufsleben integriert wird, ist das für die gesamte Wirtschaft ein Gewinn“, macht Blachfellner deutlich.
Chancen für den ländlichen Raum
Ziel der Beschäftigungsmaßnahmen war es, Arbeitslose mit mangelnder oder fehlender Qualifizierung „jobfit“ zu machen sowie hauptbetroffene Gruppen wie Langzeitarbeitslose, ältere Arbeitslose, Jugendliche und Frauen – hier vor allem Wiedereinsteigerinnen – wieder in Beschäftigung zu bringen. Die Fördergelder des Landes in der Höhe von rund zwei Millionen Euro jährlich flossen seit 1999 zum Großteil in die Regionen des Landes und hier insbesondere in die Regionen innergebirg, wie in die Bezirke Zell am See, St. Johann und Tamsweg.
Dass Salzburg mit 5,4 Prozent bzw. mit 12.474 Arbeitslosen im Bundesländervergleich eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten verzeichnet, tröstet Blachfellner nicht. Blachfellner wird sich daher für die kommende Legislaturperiode für die Schaffung eines Lehrlingsausbildungsfonds nach Vorarlberger Vorbild – dort gibt es diesen Fonds für die Metallindustrie-Betriebe bereits seit 20 Jahren – einsetzen. Dabei sollen Unternehmen je nach Anzahl ihrer Mitarbeiter/innen in einen Fonds einzahlen, so dass ein Lastenausgleich zwischen den Betrieben, in denen Lehrlinge ausgebildet würden, und jenen, wo dies nicht der Fall sei, geschaffen wird. Ergänzend dazu soll ein Bonussystem für Betriebe eingeführt werden, die über das Berufsbild hinausgehende Qualifikationen forcieren. „Die Zahlen sprechen dafür, dass wir einen eklatanten Handlungsbedarf haben“, sagte Blachfellner. So hat sich die aktuelle Zahl der Lehrstellensuchenden in Salzburg mit 17,8 Prozent stark erhöht, während jene der angebotenen Lehrstellen um 2,6 Prozent zurückgegangen ist. i13-60b
Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 21.01.2004
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