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Stadt Salbzurg: Kürzungen im Schulbereich



KÜRZUNGEN IM SCHULBEREICH: ELTERN AUS DER GESAMTEN STADT ALARMIERT

Fr, 4. April 2003




KÜRZUNGEN IM SCHULBEREICH: ELTERN AUS DER GESAMTEN STADT ALARMIERT
Qualität der Schulen in Gefahr - Nachteile für Stadt-Kinder

Die drohenden Kürzungen bei Lehrer-Dienstposten im Pflichtschulbereich - in der Stadt Salzburg insbesondere an den Volksschulen - alarmieren Eltern und Lehrer gleichermaßen. Gemeinsam mit ElternvertreterInnen von Stadt-Salzburger Pflichtschulen zeigt der Bürgermeister die Folgen der Einsparungen an konkreten Beispielen auf.

Volksschule Mülln
(Elternvereinsobfrau Ursula Schineis)

Sparmaßnahmen im Bildungsbereich

Die Eltern der Schüler und Schülerinnen der Salzburger Schulen, insbesondere auch der VS Mülln sind über die Entwicklung im Bildungswesen mit ihren immer drastischeren Einsparungen sehr besorgt.
Seit dem Schuljahr 1999/2000 werden immer mehr Stunden an den Schulen gekürzt und das Schulsystem auf ein Minimalkonzept heruntergefahren.
Dies äußert sich an der VS Mülln z.B. in folgenden konkreten Einsparungen:

1.
Stundenkürzungen bei Sprachheilunterricht und Legastheniebetreuung:
Bis zum Schuljahr 2001/2002 bekam die VS Mülln zwei zusätzliche Wochenstunden zur Förderung von Legasthenikern. Diese Stunden wurden völlig gestrichen.
Im Schuljahr 2001/2002 standen für 112 Betroffene Kinder 5 Wochenstunden Sprachheilunterricht zur Verfügung, im Schuljahr 2002/2003 sind dies nurmehr 2 Wochenstunden für 125 bedürftige Kinder.
Man kann an diesen Zahlen sehen, dass Spracharmut und Legasthenie keine Einzelfälle sind. An der VS Mülln betrifft das Problem fast ein Drittel aller Schüler. Die Kinder leiden an Spracharmut, ihnen fehlt der Wortschatz, sie können nicht mehr grammatikalisch richtig sprechen und haben Problem bei der Lautbildung.
Ohne Sonderförderung vermindern sich die Zukunftschancen ansonsten begabter Kinder erheblich, da das Problem die gesamte Schulzeit und das spätere Berufsleben beeinträchtigt.

2.
Förderstunden für Kinder mit nicht deutscher Muttersprache:
Der Anteil der Kinder mit nicht deutscher Muttersprache ist an den Schulen Salzburgs hoch, und die Erweiterung der europäischen Union wird es in Zukunft zwangsläufig mit sich bringen, dass dieser Anteil noch steigt.
An der VS Mülln beträgt der Anteil derzeit 30%.
Vergleicht man die Schuljahre 1999/2000 und 2002/2003, ist bei steigender Zahl von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache die Anzahl der Deutschförderstunden drastisch gesunken. Werden die Kinder jedoch nicht durch zusätzliche Deutschförderstunden betreut, so hat dies dramatische Auswirkungen auf das Lernniveau und die Lerngeschwindigkeit der gesamten Klasse.
Studien haben gezeigt, dass ein 20%-iger Anteil von Kindern, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, in einer Klasse die Lerngeschwindigkeit bis zu einem Drittel reduziert.
Andere Regionen , wie z. B. Bayern haben dies bereits erkannt, und so hat der Ministerrat am 11.03.03 beschlossen, im kommenden Schuljahr weitere hundert Sprachlernklassen für ausländische Kinder einzurichten.
In Salzburg hingegen wird gespart.
Es werden dadurch nicht nur die Kinder mit nicht deutscher Muttersprache benachteiligt, sondern das Niveau der ganzen Klasse sinkt, und damit letztendlich die Konkurrenzfähigkeit der heranwachsenden Gesellschaft.

3.
Einsparung bei den Stunden für unverbindliche Übungen:
Im Schuljahr 2001/2002 standen in Mülln 7 Wochenstunden zur Verfügung. 2002/2003 nur noch 6. Bedarf wäre für 12 Wochenstunden da.
Bei den unverbindlichen Übungen können die Kinder über den Tellerrand der bloßen Lehrstoffvermittlung hinausschauen. Es können zusätzliche Angeboten in den Bereichen Sport, Spiel, Kultur u.a. wahrgenommen werden. Es werden persönliche Interessen und individuelle Begabungen gefördert, die Kinder werden an sinnvolle Freizeitbeschäftigungen herangeführt, es sind altersgemischte Gruppen möglich und die soziale Kompetenz wird erheblich gefördert. Die unverbindlichen Übungen erlauben die Förderung besonders begabter Kinder, aber auch die Unterstützung förderbedürftiger Kinder, um sie auf das Niveau der Klasse zu bringen.
Eine Gesellschaft, deren wichtigstes Zukunftspotential die Vielseitigkeit und Kreativität ihrer Menschen ist, erweist sich einen Bärendiest, wenn auf Grund kurzfristiger Sparzwänge die Entwicklung der Kreativität nicht mehr stattfindet. Die Zeiten sind vorbei, wo man einen Beruf erlernt, und diesen bis an sein Lebensende ausführt. Flexibilität und Kreativität sind in der Zukunft genauso wichtig wie eine optimale fachliche Ausbildung.

4.
Kürzungen im Sportunterricht:
Die VS Mülln verfügt lediglich über einen sehr kleinen Turnsaal, der den gesetzlichen Anforderungen längst nicht mehr entspricht.
Bis zum Schuljahr 2001/2002 bekam die Schule zusätzliche Stunden, um diesen Mangel teilweise dahingehend auszugleichen, dass große Klassen im Turnunterricht geteilt werden konnten.
Diese Stunden wurden völlig gestrichen.
Fast täglich wird in den Medien über wissenschaftliche Studien berichtet, denen zufolge sich der physiologische Zustand unserer Kinder in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert hat. Immer mehr Kinder sind übergewichtig und leiden an akutem Bewegungsmangel.
Wenn schon aus baulichen Gründen, der Turnunterricht in einem Turnsaal stattfinden muss, der nicht gesetzlichen Anforderungen entspricht, so kann es nicht sein, dass die Zusatzstunden, die eine Teilung der Klassen, und damit einen einigermaßen akzeptablen Turnunterricht ermöglichen, gestrichen werden.
Dies ist ein untragbarer Zustand für eine Region, die soeben beschlossen hat, einige Millionen Euro in das Projekt Olympia 2010 zu investieren, ein Projekt, das ich im übrigen sehr begrüße.
Gleichzeitig ist unser Gesundheitssystem kaum noch zu finanzieren. Auch hier gilt es, frühzeitig die Weichen zu stellen und unsere Kinder an ein gesundes, körperbewusstes Leben mit viel Bewegung heranzuführen
Dies geschieht sicher nicht durch die Einsparung von Sportstunden und unverbindlichen Übungsstunden.

5.
Demotivation für LehrerInnen:
Unser Schulsystem lebt von der Qualität der Lehrkräfte. Die durch die Sparmaßnahmen ausgesandten Signale an die Studierenden an den Hochschulen lauten ganz eindeutig, dass der Lehrerberuf keine Zukunft hat. Dies wird sich zwangsläufig langfristig auf die Qualität der Lehrerschaft auswirken.

Fazit:
Die Sparmaßnahmen sind zu den anderen politischen Zielsetzungen des Landes und der Stadt Salzburg
kontraproduktiv.
Dem für eine florierende Wirtschaft wesentlichen Humankapital wird gerade durch die Sparmaßnahmen in Bildungsbereich großer Schaden zugefügt.
Ein Blick über die Grenzen, z. B. nach Deutschland zeigt, dass in den Bundesländern und Städten, wo intensiv in die Bildung investiert wurde (z.B. Bayern) die wirtschaftliche Situation wesentlich besser ist, als in anderen Bundesländern.

Es ist weiter zu beobachten, dass in den Ländern, in denen die Kinder von frühester Jugend an intensiv und ganzheitlich gefördert werden, das Ergebnis der Pisastudie besser ausfällt als in Ländern, wo das Schulsystem auf ein Minimalkonzept heruntergefahren wurde.

Die Sparmaßnahmen mögen zwar eine kleine kurzfristige Entlastung für die derzeitige Haushaltslage bringen, führen aber langfristig zu Folgekosten, die diese Einsparungen weit überschreiten.

Forderung:
Ich fordere deshalb im Namen der Elternschaft alle zuständigen Stellen in Bund, Land und Stadt auf, die Streichungen rückgängig zu machen und darüber hinaus die Kreativität walten zu lassen, die unsere Kindern in der Zukunft brauchen. Die Schule muss unseren Kinder für die schwierigen Aufgaben der Zukunft rüsten. Die Ansetzung des Rotstifts zur Stundenkürzung ist dafür die schlechteste und unkreativste Lösung.


VS Herrnau
Dr. Gerhard Steinlechner, Obmann des Elternvereines an der VS-Herrnau.

Den Stunden-Jonglierkünsten der jeweiligen DirektorInnen ist es zu verdanken, dass trotz der bisher schon erfolgten Einsparungen ein ordentlicher Schulbetrieb möglich ist. Bei uns an der VS Herrnau wurde vom Schuljahr 2001/2002 zum Schuljahr 2002/2003 bei den unverbindlichen Übungen, bei den Stunden für den Sonderpädagogischen Förderbedarf und beim Besonderen Förderunterricht für Kinder nicht-deutscher Muttersprache eingespart. Auch die Anzahl der für unverbindliche Übungen zur Verfügung stehenden Stunden wurde gekürzt.

Besondere Sorgen mussten sich die Eltern am Ende des Schuljahres 2001/2002 um den Schulversuch "Sprachintensivierung Englisch" machen, der in jeder Schulstufe in jeweils einer Klasse angeboten wird. Dieser Schulversuch, in dem ausschließlich native speakers die SchülerInnen in Teamarbeit mit der Klassenlehrerin unterrichten, ist nur dann effizient, wenn wöchentlich mindestens 4 Stunden in englischer Sprache angeboten werden. Statt dieser 4 Stunden (ideal wären 5 Stunden) sollten die Kinder pro Schulversuchsklasse nur mehr 2 Englischstunden pro Woche haben. Die Eltern, deren Kinder den Schulversuch besuchen, sind alle sehr davon angetan und begeistert, wie gut und gerne die Kinder die Fremdsprache erlernen. Wir betrachten diese Art des Unterrichtes nicht als Luxus, sondern als notwendige Voraussetzung dafür, dass unsere Kinder, der Tatsache der europäischen Vielsprachigkeit entsprechend, im Rahmen ihrer Schulausbildung mehrere Fremdsprachen erlernen sollen und müssen, um für das Arbeitsleben entsprechend ausgestattet zu sein.

Aus der Sicht dessen, was mir als Elternvereinsobmann wahrnehmbar ist, sehe ich nicht, wo an der VS-Herrnau zusätzlich Stunden eingespart werden können, ohne wesentliche Einschnitte in die Qualität der Ausbildung unserer Kinder zu verursachen. Die Qualität der Schulausbildung unserer Kinder ist eine Investition in deren individuelle Zukunft, aber auch eine in die Zukunft des Landes! Wenn hier falsch gespart wird, geht der Ertrag flöten. Das heißt: Gesundheit, Kulturfähigkeit, Lebensfähigkeit und Arbeitsfähigkeit unserer Kinder werden schlechter entwickelt, als dies bei einer entsprechenden Ausstattung mit Mitteln möglich wäre. Am Ende der Entwicklung stehen Erwachsene, die sich zu wenig bewegen, die nur passiv ihre Freizeit gestalten können, die als Arbeitnehmer schlecht qualifiziert sind und für die Kultur etwas ist, womit sie nichts anfangen können. Ich halte dieses Ziel für nicht erstrebenswert. Deshalb müssen wir, als Verantwortliche für unsere Kinder, von den Verantwortlichen in der Politik, als die für die Verteilung der vorhandenen Mittel Zuständigen, verlangen, dass hier ausreichend Mittel zu Verfügung gestellt werden.

Heinrich-Salfenauerschule
Fritz Oberreiter, Elternvereinsobmann Heinrich Salfenauer-Volksschule

Folgende Missstände treten an unserer Schule() durch die diversen Sparmaßnahmen im Bildungsbereich ganz verstärkt auf :

Kinder mit SPF (sonderpädagogischen Förderbedarf) bekommen keine Stützlehrkraft im 2. Semester ! Die Beratungslehrerin, die seit den 80iger Jahren immer mindestens 4 Stunden wöchentlich anwesend war, wurde ab Jänner 2003 abgezogen! Bei Deutsch für fremdsprachige Schüler gibt es seit 2 Jahren weniger Stunden ( und das bei einem Anteil von fremdsprachigen Schüler von ca. 70%) !!! Es gibt weniger Legastheniestunden!

Volksschule Morzg
Gabriela Strohmer, Elternvertretung VS Morzg
Im Schuljahr 2001/2002 gab es noch folgende Angebote an Unverbindlichen Übungen:
Entdeckendes Lernen, Werken, musisches Gestalten, bildnerisches Gestalten, Computer, Tanz und Bewegung, gesundheitsbewusste Ernährung und Englisch für "Nicht-Schulversuchsklassen? im Gesamtausmaß von 22 Stunden.
2002/2003 war mit 8 zugeteilten Unverbindlichen Übungsstunden lediglich ein stark reduziertes Angebot möglich: Computer 1Std, Tanz und Bewegung 1 Std, Gesundheitsbewusste Ernährung 2 Std.
Die restlichen Stunden müssen dafür aufgewendet werden, die sehr geschätzte Sprachintensivierung Englisch im vollen Ausmaß aufrechtzuerhalten. Hiefür wurden über 800 Unterstützungunterschriften gesammelt.
Des weiteren wurden 2002/2003 2 Büchereistunden und 2 Legastheniestunden ersatzlos gestrichen.
Deutsch für Ausländer wurde von 6 auf 5 Stunden reduziert.

Quelle: Presseaussendungen Stadt Salburg

Weitere Pressetexte aus Salzburg:
Salzburg: Sprechtage von Volksanwalt Stadler am 18. und 19. November
hilfsbedürftige Kinder in Stadt und Land Salzburg
Stadt Salzburg: Kulturfond 2003
Stadt Salzburg Kulturfonds
Universität im Land Salzburg

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Diese Information wurde von uns nicht inhaltlich geprüft. Wir sind nicht Autor dieser Information.

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