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Tauernbahn soll im Güterverkehr Marktanteile gewinnen
Tauernbahn soll im Güterverkehr Marktanteile gewinnen
Haslauer: Güterverkehr von der Straße auf die Schiene bringen / Zusammenarbeit mit Kärnten und Friaul-Julisch Venetien
(LK) Politik des Landes Salzburg sei es, die Möglichkeiten der Tauernbahn, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, verstärkt zu nützen. Die Tauernbahn solle also ein wettbewerbsfähiger, starker Spieler am Verkehrsmarkt werden und Marktanteile gewinnen. Das betonte Verkehrsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer heute, Mittwoch, 20. Oktober, beim internationalen Schienen-Infrastrukturgipfel Süd in Villach. Mit dabei waren auf Einladung der Landeshauptleute von Kärnten, Dr. Jörg Haider, und der Steiermark, Waltraud Klasnic, zahlreiche Verkehrs-Experten und Vertreter der Nachbarregionen Italien, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Anschließend unterzeichneten die Vertreter der Länder Kärnten, Friaul-Julisch Venetien und Salzburg die „Erklärung zur Zusammenarbeit in den Bereichen Transportinfrastruktur, Logistik, Informationstransfer.“
Für eine Steigerung der Attraktivität dieser wichtigen Nord-Süd-Route müsse die Bahn aber modernisiert werden, so Haslauer weiter. Geplant ist ein durchgehender zweigleisiger Ausbau. Auf dem Abschnitt zwischen Schwarzach und Loifarn am Eingang des Gasteiner Tals ist der zweigleisige Ausbau beinahe fertig gestellt. Damit sind vom ehemals 80 Kilometer langen eingleisigen Abschnitt von Schwarzach bis Spittal (Kärnten) 61 Kilometer zweigleisig ausgebaut. Dabei wurden in den vergangenen Jahren in den Gleisumbau auf dem Bahnhof Bischofshofen 65 Millionen Euro und in den Ausbau Schwarzach - Loifarn 70 Millionen Euro investiert.
Als nächste Schritte stehen der Ersatz der Angerschlucht-Brücke aus dem vergangenen Jahrhundert, der Bau des Schlossalm-Tunnels bei Bad Hofgastein (90 Millionen Euro) und der Bauabschnitt Kralbach - Böckstein in Bad Gastein an (285 Millionen Euro) an. Wir erwarten, dass die ersten beiden genannten Bauvorhaben auch in diesem Plan bis 2011 umgesetzt werden, so Haslauer.
Bessere Angebote für den Gütertransport
Abgesehen von den zu begrüßenden Maßnahmen des Bundes zum Ausbau der Infrastruktur (Tunnelausbauten, Streckenverbesserungen) setze Salzburg stark auf die Einführung eines erweiterten und attraktiveren Angebotes für den Gütertransport. Der Zeitpunkt für die Forcierung des Schienengüterverkehrs sei genau richtig. Zahlreiche Unternehmen planen zurzeit die Errichtung von Anschlussbahnen. Das Land Salzburg habe sich daher entschieden, die Förderinitiative des Bundes durch eigene Gelder zu verstärken und stelle seit dem vergangenen Jahr dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung, sagte Haslauer.
Im Aktionsplan Tauernbahn – einem 2003 gemeinsam mit Kärnten und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) durchgeführten Forschungsvorhaben – wurden das derzeitige und das mögliche künftige Transportpotenzial untersucht und schon für den Bestand bedeutende Kapazitätsreserven (bis zu 30 Prozent) festgestellt.
Um diese Reserven zu mobilisieren, sei einerseits die Beseitigung bestehender Schwachstellen im Betrieb, zum anderen die marktgerechte Erweiterung des Bahnbetriebes erforderlich, sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Haslauer. Für den kombinierten Verkehr sollen, in Zusammenarbeit mit Kärnten und dem Bundesministerium für Verkehr, Infrastruktur und Technologie kurzfristig – bis 2006 – drei marktgerechte Verkehrsdienste bzw. Produkte auf der Tauernbahn eingeführt werden:
Der UKV-Shuttle Salzburg - Villach (= unbegleiteter kombinierter Verkehr, also ohne Lkw-Lenker): Täglich werden vier Zugpaare im Takt, also insgesamt acht Züge, zwischen Salzburg und Villach im unbegleiteten kombinierten Verkehr pendeln. Damit soll ein bedarfsgerechtes Angebot für Unternehmen, die durch Road Pricing und Staukosten zum Wechsel bereit sind, geschaffen werden.
Die RoRo-Brücke Triest - Salzburg-Bayern (= Roll on - Roll off, also die “Rollende Landesstraße“): Täglich fahren vier Zugpaare, also weitere acht Züge, im Takt zwischen dem Hafen Triest und einem Terminal im Raum Salzburg-Bayern. Damit ist das Ende der Roll on-Roll off-Schiffsverbindung nicht in Triest, sondern sie endet de facto im Großraum Salzburg-Bayern. Das ist aus logistischen Gründen viel wirtschaftlicher.
Neue Direktverbindung München - Villach - Triest - Koper im UKV: Der Schluss dieser Marktlücke würde die „Laufzeiten“ des Verkehrs nach Osteuropa und Asien um vier Tage reduzieren (keine Verschiffung über Gibraltar) und die Attraktivität der Tauernbahn noch erhöhen.
Friaul-Julisch Venetien, Kärnten und Salzburg arbeiten zusammen
Diese Direktverbindung ist auch Inhalt des heute zu unterzeichnenden Abkommens der Regionen Salzburg, Kärnten und Friaul-Julisch Venetien über die Zusammenarbeit bei der Transportinfrastruktur, Logistik und beim Informationstransfer.
Die Länder sprechen sich gemeinsam unter anderem für folgende Punkte aus:
Die Zielsetzungen des Weißbuches „Europäische Transportpolitik für das Jahr 2010: Zeit für Entscheidungen“ sind zu verfolgen.
Aus diesem Grund sind Initiativen von Unternehmen zu unterstützen, die auf die Einführung neuer Technologien zur Verringerung der durch den Verkehr verursachten Emissionen (Partikelfilter, geräuscharme Reifen für Lastkraftwagen, Reduzierung der Reifenabnutzung, Beschleunigung der Einführung von Lastkraftwagen mit niedrigem Schadstoffausstoß nach Euro 3-, EURO 4- und künftig EURO 5-Norm) abzielen.
Es ist schnellstmöglich die integrale Verdoppelung der Tauernachse vorzuziehen, insbesondere des Abschnitts am Gasteinertal und in Kärnten.
Die Tauernachse wie auch die Adria-Baltikum-Achse sind in die Liste der prioritären transeuropäischen Netze aufzunehmen, um eine Mitfinanzierung durch die EU zu erreichen.
Als wichtige Voraussetzung für die Schaffung weiterer Kapazitäten für den Warenverkehr auf der Schiene entlang des Tauernkorridors ist die Erweiterung der Abfahrts- und Zufahrtsabschnitte zu beschleunigen, insbesondere die des Abschnitts München - Mühldorf - Freilassing.
Die Nutzung der derzeit verfügbaren Kapazitäten auf der Tauernachse als Korridor für den Warenverkehr im Transit ist durch die Schaffung neuer Angebote für Kombi- und RoLa-Transporte („Rollende Landstraße“) zu unterstützen, insbesondere zwischen den Wirtschaftszentren Süddeutschlands, den Adria-Häfen und den Wirtschaftsräumen von Friaul-Julisch Venetien.
Insbesondere ist eine stärkere Nutzung der bestehenden intermodalen Terminals zu unterstützen und eine Untersuchung durchzuführen, um neue Standorte zu ermitteln, die wirtschaftlich als intermodale Terminals mit entsprechender Kapazität entlang der elektrifizierten Strecken vorgeschlagen werden können.
Villach und Triest sind also Drehscheiben in diesem Transportkorridor. Aus Salzburger Sicht steht im Korridor X die Verlagerung von alpenquerendem Straßengüterverkehr auf die Schiene an erster Stelle. Eine Zusammenarbeit bei der Transportinfrastruktur sowie beim Logistik- und Informationstransfer zwischen den Ländern und Regionen Kärnten, Salzburg und Friaul-Julisch Venetien ist daher der entscheidende Grundstein der künftigen Aktionen.
Mit Anfang 2004 wurde das Ökopunkte-System beendet und die Kontingent-Politik durch die EU-Erweiterung obsolet. Damit ergeben sich für die RoLa geänderte Rahmenbedingungen und massive Einbrüche: auf der Brennerachse im Vergleichszeitraum zwischen Jänner und April 2003 und 2004 um 31,41 Prozent bzw. auf der Tauernachse um 5,36 Prozent. Hingegen werden wegen der EU-Erweiterung auf der Donauachse und der Phyrnachse Zuwächse von 9,55 Prozent bzw. 27,21 Prozent ausgewiesen.
Deshalb wurde in Österreich ein neues System der Kombiverkehrsförderung mit Juli 2004 eingeführt. Das beinhaltet:
Umstellung der Förderung von pauschal für ÖBB auf Förderung pro Sendung für jedes Eisenbahnverkehrsunternehmen mit dem Ziel eines echten Wettbewerbes;
Fördervolumen von 42 Millionen Euro pro Jahr: z. B. Brenner 85 Euro Förderung pro LKW am Tag und 45 nachts, Tauern 75 Euro am Tag;
2004 werden deshalb für die vorgesehene Förderungssumme von 42 Millionen Euro, rund 1,05 Millionen Sendungen (409.000 RoLa-Sendungen, 642.000 UKV-Sendungen, 81.000 Puffer-Kapazitäten);
Es werden nicht mehr nur Transitfahrten, sondern auch rein innerösterreichische Transporte sowie bilaterale Fahrten gefördert werden.
Das von der Europäischen Union geförderte Verkehrs-Projekt „Imonode“ stand im Mittelpunkt des internationalen Schienen-Infrastrukturgipfels Süd in Villach und befasst sich mit dem Güterverkehr mit Schwerpunkt Schienenverkehr, arbeitet beim intermodalen Verkehr mit dem EU-Forschungsprojekt „Intermoda“ zusammen und bezieht die Ergebnisse des österreichischen regionalen Logistik-Projektes „i-Region“ und des italienischen Industrie-Logistik-Projektes „I-Log“ mit ein. Abstimmungen und Koordination mit anderen Interreg- Projekten sind geplant.
Wichtigste Themen und Verbindungen
Das Projekt beschäftigt sich mit folgenden Kernthemen:
Raum und Wirtschaft: Abstimmung von Raum- und Verkehrsplanung, Verbesserung der Anbindung der Regionen an das übergeordnete Verkehrsnetz (transeuropäische Verkehrskorridore) und Knoten (Standortentwicklung);
Infrastrukturentwicklung: Ausbau der Schienen-Infrastruktur und Optimierung der Verknüpfung mit Güterverkehrsknoten in den Regionen zur Standortverbesserung;
Finanzierungsmöglichkeiten von Infrastrukturvorhaben.
Dabei gibt es zwei Handlungsschwerpunkte:
die Verbindungslinien im Alpen-Adria-Raum zwischen dem oberitalienischen Raum und der Adria und Mitteleuropa, also im wesentlichen die zwei nördlichen Äste des Korridors V und die Koralm-Achse durch Österreich;
die Verbindungen zwischen dem östlichen Mittelmeerraum und Mitteleuropa, die nach den Ereignissen auf dem Balkan erst wieder leistungsfähig gemacht werden müssen, also im wesentlichen den Korridor X mit seinen Ästen nach Villach-Salzburg, und Graz-Linz-Wels.
Historische Verbindung zwischen Salzburg und Italien
Über die Tauernbahn besteht eine historische Verbindung zwischen den Ländern Salzburg, Kärnten, Triest und der Region Friaul-Julisch Venetien. Diese Bahnverbindung durch die Alpenbarriere mit ihren 83 Kilometern Länge zwischen den Bahnhöfen Schwarzach/St. Veit und Spittal/Millstättersee überwindet fast 700 Meter Höhendifferenz und ist durch zahlreiche Viadukte und Tunnel gekennzeichnet. Sie wurde zwischen 1901 und 1909 zur Verbindung von Salzburg mit Triest erbaut. Das Projekt diente der zweiten Anbindung Triests an den industrialisierten Norden der Habsburgermonarchie, wodurch das Monopol der privaten Südbahn gebrochen werden sollte. Diese Südbahn stellte damals die einzige direkte Bahnverbindung nach Wien dar. Gleichzeitig sollte dem Niedergang Triests nach der Eröffnung des Suezkanals entgegengewirkt werden.
Die Bedeutung der Tauernbahn nahm bis heute zu und ist Teil der Paneuropäischen Transportkorridore zur Verknüpfung des „Alten Europas“ mit den ost- und südosteuropäischen Staaten. Der hier liegende Korridor X erstreckt sich von Salzburg ausgehend über Slowenien und Kroatien bis nach Griechenland und Rumänien. Auf der Tauernbahn werden heute etwa 7,5 Millionen Nettotonnen Güter quer über die Alpen transportiert.
Im gleichen Korridor liegt auf Salzburger Boden auch die Tauernautobahn. Hier wird die sensible Gebirgsregion des Salzburger Pongaus und Lungaus täglich von mehr als 1.400 Lastautos durchquert. Innerhalb von zehn Jahren (von 1990 bis 2000) stieg beim gesamten Lkw-Güterverkehr der Transitanteil von 20 auf 40 Prozent und steigt weiter, wobei heute etwa elf Millionen Nettotonnen Güter quer über die Alpen transportiert werden. i204-41
Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 20.10.2004
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