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Landesschulrat für Salzburg
Landesschulratspräsident 111 Tage im Amt
Gimpl: Offene Behörde für alle Anliegen / Projekte in Angriff nehmen, aber auch Probleme ansprechen
(LK) Bilanz nach 111 Tagen Tätigkeit als Amtsführender Präsident des Landesschulrates für Salzburg zog Prof. Mag. Herbert Gimpl heute, Mittwoch, 20. Oktober, in einem Informationsgespräch. Er sei, so Gimpl, ein Präsident zum „Angreifen“, ein Präsident, der Projekte „in Angriff nimmt“, aber auch Probleme „aufgreift“ und auf Konzepte für die Zukunft „vorgreift“.
Gegenseitige Wertschätzung und Akzeptanz kennzeichne das neue Klima im Amt des Landesschulrates. Seit seinem Antritt gebe es für alle Anliegen, Anfragen, etc. innerhalb von zehn Tagen einen persönlichen Gesprächstermin. Die Präsidialabteilung sei keine Tabuzone in der Behörde. In zahlreichen Gesprächen mit Mitarbeiter/innen habe es ein deutliches Signal zur Veränderung, Weiterentwicklung und Modernisierung gegeben. Erste behördeninterne Schulungen von Mitarbeiter/innen wurden bereits umgesetzt. Besonders bei den Kenntnissen über Informations-Technologie bestehe ein großer Bedarf an Fortbildung. In einer eineinhalbtägigen Arbeitsklausur werde in Zusammenarbeit mit einem externen Organisationsentwickler an grundlegenden Veränderungen der Behörde gearbeitet, führte Präsident Gimpl weiter aus.
Gimpl nahm auch zu folgenden Projekten Stellung:
· Bautechnik Neu an der HTL Hallein: Mit der Installierung des neuen Schwerpunktes wird die Region Hallein zum Ausbildungszentrum in Sachen Holz. Mit den Standorten in Kuchl und Hallein gibt es von Holzwirtschaft bis hin zum konstruktiven Holzbau ein Komplettangebot.
· Sprachförderung in der AHS-Unterstufe: Ein Pilotprojekt, das erstmals Schüler/innen mit nicht-deutscher Muttersprache gezielt fördert, startet im Schuljahr 2004/05. Diese Maßnahme wird je nach Bedarf in der Zukunft für alle Schulen angeboten.
· Was ist Legasthenie? Mit dem heuer in Kraft getretenen Legasthenie-Erlass wird den Schüler/innen mit dieser isolierten Lese-Rechtschreib-Schwäche sowohl in rechtlicher als auch pädagogischer Hinsicht Rechnung getragen. Diese Maßnahme dient auch als Beitrag zur Aufklärung und zum Abbau von Vorurteilen.
· „Hilf mir, es selber zu tun“: Die Planung und Umsetzung eines Oberstufen-Real-gymnasiums mit Montessori-Pädagogik wird für das Schuljahr 2005/06 angestrebt und vom Amtsführenden Präsident des Landesschulrates klar unterstützt.
· An der Fachschule Bramberg wird heuer erstmalig ein Aufbau-Lehrgang für wirtschaftliche Berufe etabliert. Die positive Entwicklung des Schulstandortes in den vergangenen Jahren geht weiter, für die Region wird ein weiterer wichtiger bildungspolitischer Akzent gesetzt.
· Schulautonome Tage: Für das Frühjahr 2005 ist die Einberufung einer Expertengruppe mit Vertretern von Eltern, Schulbehörden und Schulaufsicht geplant. Ziel ist eine mittelfristige Koordinierung der schulautonomen Tage. Am Freitag, 7. Jänner 2005, ist für alle Schüler/innen im Bundesland Salzburg schulfrei.
Neue Konzepte für Rückgang bei Schülerzahlen
Landesschulratspräsident Gimpl kritisierte, dem Bundesministerium für Bildung fehle ein Konzept und vor allem wirklicher Reformwillen. Seit nunmehr fünf Jahren bastele man im Bundesministerium an dem Projekt „Pädagogische Hochschule“ oder „Hochschule für Pädagogische Berufe“. Dies sei eine Geschichte vieler Fragen, aber weniger Antworten. Man müsse dabei bedenken, dass es dabei auch um viele Mitarbeiter/innen geht, die sich um ihre Existenz Sorgen machen. Durch zahlreiche Projekte fühlen sich die Mitarbeiter/innen an den Schulen überfordert, so Gimpl. Der natürliche Rückgang bei den Schülerzahlen in den nächsten zehn Jahren stelle eine Tatsache dar. Vor allem in der Mittelstufe werde man an neue Wege – auch schulorganisatorischer Art – denken müssen.
Schulverwaltung Neu, Integration und Begabtenförderung
Auf folgende Konzepte will Gimpl „vorgreifen“:
· Vier Säulen der Schulverwaltung: 1. ein schlankes, nur mehr mit der Rahmengesetzgebung befasstes Bundesministerium; 2. eine umfassende, einheitliche Bildungsbehörde des Bundes in den Ländern; 3. eine wirkliche Anhebung der Autonomie der einzelnen Schulstandorte; 4. ein einheitliches Dienstrecht für alle Lehrer/innen.
· Angebote ganztägiger Schulen schaffen: Die Ganztagsschule ist keine Zwangsmaßnahme, sondern ein pädagogisches Konzept, das das Bildungssystem gleicher, menschlicher und letztendlich auch erfolgreicher macht. Denn soziale Unterschiede in der Herkunft schlagen sich in den Bildungsabschlüssen kaum wo so deutlich nieder wie in Österreich.
· Individuelle Begabungsförderung: Das Schulsystem fördert leider kaum die individuellen Fähigkeiten der Schüler/innen. Es wird nach wie vor nicht nach Stärken, sondern nach den schlechtesten Leistungen selektiert.
· Integrative Maßnahmen sind auszubauen: Seit den ersten Ergebnisse der Pisa-Studie ist bekannt, dass eine nachhaltige Integration von Schüler/innen mit nicht-deutscher Muttersprache in das österreichische Schulsystem nicht entsprechend gelingt. Mangelnde Sprachkenntnisse dürfen aber keine Bildungsbarriere darstellen. Eine systematische Verbesserung der Sprachförderung im vorschulischen Bereich, aber auch in der Schule ist unbedingt notwendig. i204-43
Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 20.10.2004
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