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Residenzgalerie Salzburg



Bedeutung von Gesten in der Kunst


Letzte Führung durch die Sonderausstellung "Beredte Hände" in der Residenzgalerie am Samstag, 23. Oktober




(LK) Kunst vom Barock bis zur Gegenwart zeigt die Residenzgalerie Salzburg in ihrer aktuellen Sonderausstellung „Beredte Hände – die Bedeutung von Gesten in der Kunst vom 16. Jahr-hundert bis zur Gegenwart“. Hände stehen für das Begreifen der Welt, so sahen es bereits griechische Philosophen. „Beredte Hände“ heißt deshalb eine Ausstellung in der Salzburger Residenzgalerie. Am Samstag, 23. Oktober, 10.30 Uhr, findet letztmals eine Führung mit Kuratorin Dr. Gabriele Groschner durch diese Ausstellung statt. Die Ausstellung läuft noch bis 1. November 2004 und ist täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr zu sehen.


In der Antike bediente sich der Redner aus dem reichen Fundus der Gebärde, um seine Auf-führungen zu inszenieren und die Aussage seiner Rede zu unterstreichen. Der barocke Höfling entwarf mit feinsinniger Gestik im höfischen Zeremoniell die Galanterie aus der immer weiter verfeinerten Gebärde der Hand. Die Hand und ihre Gestik sind ein wesentliches künstlerisches Motiv, indem sie die tragende Funktion der gesprochenen und geschriebenen Sprache vor allem im Bild übernehmen. Künstler vermögen durch das Augenmerk auf die menschliche Hand den Verlauf und den Inhalt eines Gespräches im Bild allgemein verständlich zu inszenieren und dem Betrachter zu vermitteln.


Künstler wie Anton Maulbertsch, Paul Troger, Bernardo Strozzi, Guercino, Caravaggio und Frans Francken zeigen in ihren Werken ihre großartige Kenntnis der natürlichen Handbewegungen im sprachlichen Ausdruck und im Affekt sowie ihr genaues Wissen der zu ihrer Zeit wissenschaftlich intensiven Aufarbeitung antiker Rhetorikgesten. Künstler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, wie Friedrich Amerling, Wilhelm Leibl oder Albin Egger-Lienz, verlassen die Tradition der klassischen Bedeutungen und setzen die Hände als wichtigste Träger von inneren Spannungen und Emotionen zum Teil äußerst expressiv in Szene. So wird die Hand auch in den Anfängen der tonlosen Filmkunst, die als Rahmenprogramm thematisch in die Ausstellung integriert ist, als entscheidendes Ausdrucksmittel eingesetzt.


Seit der Moderne – gezeigt werden zeitgenössische Gemälde, Fotos und Videos – bleibt die Hand weiterhin wichtiges Symbol und sprachliches Element. Manchmal erscheint sie sogar als unabhängiges und selbstständiges Wesen. Sie ist zum einen wichtiger sprachlicher Träger in der Jugendkultur (Hip-Hop etc.), zum anderen wird die Hand zum eigenständigen Individuum, das Inneres nach außen spiegelt. Auch in der Gegenwartskunst – gezeigt werden Werke u. a. von Günter Brus, Gerhard Rühm, Max Böhme, Ketty LaRocca und Inge Morath – ist die Hand wichtiges Symbol und Sprachelement und wird oft als eigenständiges Individuum gesehen. i201-11D




Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 15.10.2004

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