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Salzburger Bergseen als Ausflugsziele und Genreservate



Salzburger Bergseen als Ausflugsziele und Genreservate
Raus präsentierte Ergebnisse der Untersuchung der Salzburger Hochgebirgsseen

Salzburger Bergseen als Ausflugsziele und Genreservate

(LK) Salzburg hat insgesamt 608 Seen aller Größen. Davon haben 13 mehr als 0,5 Quadratkilometer Seefläche. Die Wasserqualität der großen Seen des Landes wird seit Jahren regelmäßig überprüft und brachte zuletzt zu Beginn des heurigen Sommers ausgezeichnete Ergebnisse. Der für den Gewässerschutz ressortzuständige Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Raus hat nun auch eine Untersuchung der kleineren Seen, vor allem im Hochgebirge, in Auftrag gegeben. Erste Ergebnisse präsentierte Raus heute, Freitag, 15. Oktober, in einem Informationsgespräch. Auch die natürlichen Salzburger Bergseen präsentieren sich vorwiegend in einem sehr guten Zustand. Probleme gibt es mitunter auf Grund der Belastung mit Nährstoffen. Die Ursachen liegen bei lokalen Einträgen. Durch mehr Bewusstsein, wie sensibel kleine Seen sind, können die Probleme aber rasch gelöst werden“, so der Gewässerschutzreferent.

Zudem sind die Salzburger Bergseen seit dem Jahr 2001 Schauplatz eines Forschungsprojektes zur Herkunft der Seesaiblinge. Mit dem Vergleich der Saiblingspopulationen der Großen Alpenrandseen mit denen aus Hochgebirgsseen konnte erstmals der wissenschaftliche Nachweis erbracht werden, dass es möglich ist, die Herkunft von Saiblingspopulationen nachzuweisen. Die Identifikation der Saiblinge in den Salzburger Hochgebirgsseen war ein voller Erfolg. Es ist damit bei den Saiblingen möglich, ursprüngliches genetisches Material aus Hochgebirgsseen für einen allfälligen Nachbesatz zu gewinnen.

Salzburg, das Land der Bergseen

Vier der 13 großen Salzburger Seen sind die großen Hochgebirgsspeicher Mooser- und Wasserfallboden, Tauernmoossee und der Stausee Durlaßboden auf der Gerlos; der Rest sind die Großen Seen im Vorland, der Zeller See im Pinzgau, dazu kommt noch der Wiestalstausee als künstliches Gewässer mit Seencharakter. 595 der insgesamt 608 Salzburger Seen sind Kleinseen unter 50 Hektar Fläche. 103 Kleinseen befinden sich in den Talbereichen. Die Höhenstufe der Bergseen zwischen 800 und 1.600 Metern Seehöhe weist insgesamt 71 künstliche und natürliche Seen auf. 426 Kleinseen finden sich im Hochgebirge über 1.600 Meter Meereshöhe. Die größte Anzahl (378) an Hochgebirgsseen liegt in der Höhenstufe von 1.600 bis 2.400 Meter zwischen Baumgrenze und Gletschereis.

Natürliche Bergseen – beliebte Bade- und Ausflugsziele

Goldegger See: Obwohl der See in besiedeltem Gebiet liegt und landschaftlich den Ort Goldegg prägt, ist er wegen seiner Höhenlage von 820 Meter zu den natürlichen Bergseen zu zählen. Wegen seiner geringen Tiefe von fünf Metern und der Lage in besiedeltem Gebiet ist er deutlich mit Nährstoffen belastet. Im Laufe des Sommers kommt es in der Tiefe natürlicher Weise zum Sauerstoffschwund bis zur völligen Zehrung. Die im Herbst 2001 erfolgte Schädigung durch Mineralöl wurde durch die vorgenommenen Maßnahmen rasch behoben, so dass keine Beeinträchtigung der Badequalität im Folgesommer auftrat.

Böndlsee: Mit 845 Meter liegt der Böndlsee nur wenig höher als der benachbarte Goldegger See. Dieser kleine natürliche See ist von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben und wird von einem kleinen Moor begrenzt. Auch Straßenabwässer werden in den See geleitet. Entsprechende Nährstoffbelastungen sind die Folge. In diesem Jahr wurde erstmals ein gänzlicher Sauerstoffschwund ab fünf Metern Tiefe beobachtet. Gleichzeitig erfolgte eine starke Schwefelwasserstoffentwicklung. Die Untersuchung ergab akuten Handlungsbedarf bezüglich Reinhaltung und Abhaltung von Nährstoffen. Neben seiner Attraktivität als Badegewässer im Sommer wird er auch für die Fischerei genutzt.
Seewaldsee: Der am Südhang des Trattberges gelegene Seewaldsee in 1.080 Metern Meereshöhe ist ein beliebtes Ausflugsziel. Durch seine Lage im Moor ist er intensiv braun gefärbt. Er erwärmt sich im Sommer bis auf angenehme, zum Baden einladende 20 Grad Celsius. Wegen des Nährstoffeintrages aus dem umliegenden Moorflächen und der Weidewirtschaft im Einzugsgebiet ist der See mäßig mit Nährstoffen belastet. Über ein offenes Gerinne rinnt gelegentlich Jauche in den See. Der See wird zudem intensiv fischereilich genutzt.

Zauchensee: Der Zauchensee in 1.339 Metern Seehöhe. Aus dem mäßig mit Nährstoffen belasteten Kleinsee wird Wasser für Beschneiungsanlagen entnommen. Im Sommer herrscht ein reger Boots- und Surfbetrieb.

Prebersee: Auch der in 1.514 Metern Höhe gelegene Prebersee ist ein von Mooren umgebener Braunwassersee. Trotz seiner Höhenlage erwärmt er sich auf angenehme Badetemperaturen um 20 Grad Celsius. Der durchschnittliche Phosphorgehalt weist auf eine für Braunwasserseen typische mäßige Nährstoffbelastung hin. Die Angelfischerei und das traditionelle Wasserspiegelscheibenschießen sind zeitlich strikt getrennt.

Künstliche Bergseen – eine zusätzliche Attraktion für die Region

Künstlich errichtet wurden Badeseen in Gastein, Hollersbach, Uttendorf und in Flachauwinkl in der Region der Bergseen. Der Winkler See in Flachauwinkl ist nährstoffarm, die anderen Badeseen sind mäßig nährstoffbelastet. Das Problembewusstsein und die regelmäßige Überwachung der Seen führen zu stabilen Betriebszuständen. Die übermäßige Vermehrung der Saugwurmlarven im Gasteiner Badesee wurde durch gezielten Fischbesatz rasch beendet.

Hochgebirgsseen – ein extremer Lebensraum

Im Hochgebirge dauert der Winter von Oktober bis Juni, die Seen sind neun Monate von Eis und Schnee bedeckt. Die „Winterdecke“ erreicht dabei Mächtigkeiten von zwei und mehr Metern. Im Sommer erreichen die Wassertemperaturen selten mehr als 12 bis 14 Grad Celsius. Lediglich im extrem warmen Sommer 2003 konnten oberflächliche Wassertemperaturen von 16 Grad gemessen werden.

Hochgebirgsseen sind meist extrem nährstoffarme Gewässer. Im Kristallin ist das Wasser besonders mineralarm und entspricht dem Regen- oder Schmelzwasser in diesen Höhenlagen. Unter diesen Bedingungen sind es speziell angepasste Organismen, die diese Lebensräume besiedeln und darin überleben können: An Schwebealgen findet man vor allem Kieselalgen, kleine Geißelalgen und Grünalgen. An tierischem Plankton treten bestimmte Rädertiere und Kleinkrebse auf, die sich an die niederen Temperaturen, die kurzen Sommer und das geringe Futterangebot angepasst haben.
Die Besiedlung des Seebodens ist erstaunlich reichhaltig. Es finden sich Faden- und Borstenwürmer, Larven von Zuckmücken und einigen anderen Insekten, Erbsenmuscheln, Muschelkrebse und andere Kleinkrebse, Wassermilben und einige andere Tierarten.

Fische konnten nach der Eiszeit in diese Regionen wegen der vielen unüberwindbaren natürlichen Barrieren nicht mehr einwandern. Nach Einsetzen der Almwirtschaft und der Intensivierung der Jagd wurden viele Hochgebirgsseen mit Kaltwasserfischen aus den großen Alpenrandseen besetzt. Es handelte sich dabei um den Seesaibling und die Bachforelle. Die Fische sollten eigentlich eine Zusatzernährung für das Almpersonal und die Jagdgesellschaften bilden, der vorzügliche Geschmack der klein bleibenden Fische machten sie rasch zu einer begehrten Delikatesse der Lehensherren.

Fische in Hochgebirgsseen – eine einzigartige genetische Reserve

Die nach der letzten Eiszeit in die tiefen kalten Alpenrandseen aus dem Donauraum ein-gewanderten Saiblinge bildeten offensichtlich in den vergangenen 15.000 Jahren in den einzelnen Seen lokale Rassen aus, die sich über Fressgewohnheiten, Körpergröße und Färbung von See zu See stark unterschieden. Alte Fischereiliteratur beschreibt die lokalen Rassen ausführlich.

Nachdem an der Abteilung für Organismische Biologie an der Universität Salzburg seit einigen Jahren die Möglichkeit besteht, die Verwandtschaft von Fischen mittels molekular-genetischer Methoden zu bestimmen, wurde diese Möglichkeit vom Gewässerschutz dazu benützt, die Herkunft von Saiblingspopulationen im Hochgebirge zu ergründen. Im Falle des Erfolges hat man ein seit Jahrhunderten konserviertes Genmaterial von Saiblingspopulationen aus den großen Seen des Alpenrandes, die dort seit dem Mittelalter unverfälscht überlebt haben, für den Nachbesatz dieser Seen mit dem ursprünglichen genetischen Stammmaterial zur Verfügung.

Forschungsprojekt zur Herkunft der Seesaiblinge

Innerhalb der Bund-Länderkooperation „Rohstoffforschung“ wurde vom Gewässerschutz mit a. o. Univ.-Prof. Franz Lahnsteiner, Institut für Organismische Biologie der Universität Salzburg, die molekulargenetische und phänologische Untersuchung von Saiblingspopulationen aus den großen Alpensee und solchen aus ausgewählten Bergseen im Jahr 2001 begonnen. Die Arbeiten begannen mit der limnologischen Untersuchung und Befischung von Bergseen, die möglichst ungestörte Saiblingspopulationen hatten. Es waren dies meist Seen in extremer Lage mit langen Anmarschzeiten, deren Saiblingspopulationen aus alter Literatur bekannt waren. Es waren dies der Tappenkarsee bei Kleinarl, der Zwerfenbergsee, der Lungauer Klaffersee sowie die drei Landschitzseen im hinteren Lessachtal im Lungau.

Tappenkarsee – Enklave für Saiblinge aus dem Königssee

Die Untersuchung der Seesaiblinge der Alpenrandseen ergab, dass sie neben ihrem Aussehen auch genetisch unterschiedlich sind. Eigenständige Saiblingspopulationen aus den großen Alpenrandseen konnten bisher aus dem Grundlsee, dem Altausseer See und aus dem Königssee identifiziert werden. Im Wolfgangsee, Fuschlsee, Mondsee und Attersee fanden sich keine lokalen Populationen, sondern Besatzmaterial aus den erstgenannten Seen.

Dazu berichtet Fischermeister Höplinger vom Wolfgangsee, dass zu Beginn des 20. Jahr-hunderts der ursprüngliche Wolfgangsee-Saibling durch starken Besatz aus dem Königssee weitgehend verdrängt wurde. Nunmehr wird der Grundlsee-Saibling besetzt.

Die Saiblinge des Grundlsees finden sich auch im Fuschlsee und Attersee.

Die Saiblinge aus dem Altausseer See finden sich auch in den drei Landschitzseen im Lungau auf 2.000 Metern Seehöhe und im Mondsee.

Die Saiblinge aus dem Köngissee finden sich im Tappenkarsee im Kleinarler Tal auf 1.800 Metern Seehöhe und im Zwerfenbergsee im Lungau auf ebenfalls 2.000 Metern Seehöhe.

Im Mondsee fand in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts als Folge der Eutrophierung und duch den Trübstoffeintrag während des Autobahnbaus ein Saiblingssterben statt. Der Wiederaufbau des Bestandes erfolgte auch hier durch unterschiedliches Besatzmaterial.

Die Saiblingspopulation von Wolfgangsee und Mondsee zeigen sich durch Besatzmaßnahmen so stark durchkreuzt, dass keine eindeutige Identifikation möglich ist.

Die genetische Untersuchung belegt weiters, dass die Saiblinge im Trauneinzugsgebiet von Grundlsee, Altausseer See und Attersee verwandtschaftlich zu einem gemeinsamen Genotyp gehören.

Erhaltung der ursprünglichen Fischgesellschaften

Die Erhaltung und Wiederherstellung der ursprünglichen gewässertypspezifischen Fischgesellschaft ist einer der Schwerpunkte des künftigen Gewässerschutzes nach der Wasserrahmenrichtlinie.

Die heimischen Fischpopulationen sind in ihrem Lebenszyklus an die langfristigen Milieubedingungen angepasst und können am ehesten sich ändernden Bedingungen widerstehen, bis sich die Lebensbedingungen wieder bessern. Daher ist es entscheidend, das vorhandene Genpotenzial einer Region langfristig zu erhalten.

Kleinseenuntersuchungen der Gewässerüberwachung werden in den nächsten Jahren die Suche nach verschollenen Saiblingspopulationen des Wolfgangsees, des Fuschlsees und des Mondsees beinhalten. Die Untersuchung von Museumsexemplaren alter Saiblinge aus diesen Seen vom Naturhistorischen Museum in Wien soll zusätzlich helfen, diese Frage zu klären.

In einer Diplomarbeit an der Abteilung für Organismische Biologie der Universität Salzburg wird derzeit auch die genetische Identifikation der Perlfische aus den Salzkammergutseen untersucht.

Hochgebirgsspeicher – künstlicher Lebensraum als Energielieferant

Die großen Speicherseen im Hochgebirge sind absolut nährstoffarme Gewässer, wie die Untersuchungen des Gewässerschutzes ergaben. Die Speicher Mooser- und Wasserfallboden im Kapruner Tal haben zeitweise gletschertrübe Zuflüsse, die die Seen milchig einfärben. Tauernmoossee und der Speicher Durlaßboden haben klares Wasser. Durch die Nutzung zur Stromerzeugung kann der Wasserspiegel um bis zu 82 Metern schwanken. Die Stauseen werden bis zum Sommer möglichst gefüllt und sind vielbesuchte Touristenattraktionen. Am Durlaßboden hat sich eine intensive Fremdenverkehrswirtschaft entwickelt.

Auf Grund der starken Wasserspiegelschwankungen in den Hochgebirgsspeichern sind die Reproduktionsbedingungen für viele Organismen nicht gegeben, sodass diese überdies nährstoffarmen Lebensräume unter einem extremen Auslesedruck stehen. Fischpopulationen können meist nur durch Besatz erhalten werden. Sie erreichen als künstliche Lebensräume damit bereits ihr maximales ökologisches Potenzial. i201-20

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Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 15.10.2004

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